Tietz, Hermann

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Tietz, Hermann (* Birnbaum a. d. Warthe 3. Sept. 1834 Mem.png 6. Dez. 1908 Lissa, Posen) Rabbiner



Inhaltsverzeichnis

Das Hohelied

metrisch übersetzt und mit Anmerkungen nach dem Midrasch versehen von Hermann Tietz. (Hebr. / dt.)

Im Selbstverlage des Verfassers, [Berlin,] Papenstr. 22.

Berlin 61: Commissions= Verlag von M. Poppelauer´s Buchhandlung. 1870

Koph.png Wortstimme

5. Wer ist sie, die herauf dort aus der Wüste kommt,

An den sich schmiegend, dem nur ihre Liebe frommt?

Ich weckte unter´m Apfelbaume dich, den ich erkoren,

Wo meine Mutter dich mit Wehen einst geboren,

Wo sie sich dein entwand in Schmerz verloren!

6. Gleichwie ein Siegel auf dein Herz, so liebewarm,

Wie einen Siegelring, o leg´ mich an den Arm!

Denn wie der Tod so mächtig ist die Lieb´ fürwahr,

Die Eifersucht so unerbittlich, wie die Grube gar,

Und ihre Glut ist Feuerglut, ist Gottesflamm´ fürwahr.

7. Gewaltige Gewässer, die Lieb´ zu löschen nicht vermögen,

Fortspült sie nicht der Strom, der braust noch so verwegen,

Und wollt´ um Liebe selbst ein Mann uns geben

Des ganzen Hauses Gut, – er würd´ nur Spott erleben!

CVIII
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Zum Buch: st

Band in Frakturdruck (betreffs des Deutschen); (8), 56 & [2] S. Masoretischer Text auf linker, Übersetzung auf rechter Doppelseite; Schrifttext versweise gesetzt, keine Beigaben. Anmerkungen kapitelweise ab S. 38. Ab S. 54 "Ungefährer Inhalt nach der allegorischen Deutung“, ebenfalls kapitelweise.

H. Tietz verfasste ein dreiseitiges Vorwort, datiert Berlin, im Februar 1870. Darin schreibt er zur Übersetzung u. a.:

»Zunächst bestimmte mich (…) das Bestreben, eine möglichst sinn– und wo es anging wortgemäße, zugleich aber auch metrische und in Reime gefaßte Uebertragung des Hohenliedes zu versuchen, welche sich an den Geist dieses vollendetsten aller Lieder anlehnend, denselben auch in möglichster Treue wiedergebe und gleichsam widerspiegle. Sind schon Uebersetzungen nach dieser Art in großer Anzahl vorhanden, so glaubt gleichwol jede derselben und mit ihnen auch die meinige, den Wohllaut und die Süßigkeit, den Reiz und die Anmuth dieser Dichtung, in welcher, wie dies die alte und neue Zeit übereinstimmend anerkennt, die Poesie ihr holdseligstes Kind, ihre vollendetste Schöpfung erblickt, in eigenartiger individueller Weise in der Muttersprache gleichsam wiedererzeugt zu haben. (…)«


Biogramm:

Hermann Tietz studierte an der Berliner Universität und promovierte zum Dr. phil. in Halle/ Saale. 1854 kurzzeitig am Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau; ihm wird jedoch vom Lehrkörper wegen mangelnden Fleißes und Talents das Verlassen der Anstalt nahegelegt. Studium an der Univ. Berlin; Prediger in Briesen, Westpreußen; 26. Mai 1871 prom. zum Dr. phil. in Halle/ Saale; im selben Jahr Rabbiner in Neustettin, Pommern; 1875 Stiftsrabbiner am Hirsch-Abraham-Stift in Jungbreslau, Kujawien; ca. 1881 Privatgelehrter (und Rabbiner?) in Schrimm, Posen und ab 1888 Lehrer am Beth ha-Midrash, wiederum in Jungbreslau.

Tietz hatte 1870 laut Buchangabe auf der Titelseite sein Hohelied in der Papenstrasse 22, Berlin–Mitte, selbst verlegt (1949 in Karl–Liebknecht–Strasse umbenannt). Laut Berliner Adressbuch von 1865 wohnten in der Hausnummer 22 zwei Menschen mit "jüdischen" Namen: Aschkinaß, Lehrer, und Fränkel, Aufseher. Von Hermann Tietz hier keine Spur. – Tietz schrieb noch ein zweites Buch biblischen Inhalts: »Das Buch der Elegien, die Klagelieder Jeremias • Megillat Echa«," mit einer metrischen Übersetzung (”holprige Sechszeiler, oftmals fürchterliche Knittelverse“) und einem hebräischen Kommentar, unter dem Titel "Sichron Jehudah" (Schrimm, 1881).