Spanier, Meir

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M(eyer)- Spanier, Moritz Meir ( * Wunstorf, Kgr. Hannover 1. Nov. 1864 Mem.png 27. Sept. 1942 Berlin) Dr. phil.


Psalmen [1922]

Eine Einführung von Dr. M. Spanier

Berlin: C. A. Schwetschke & Sohn / Verlagsbuchhandlung 1922


Koph.png Wortstimme

"Herr, Zuflucht warst du uns von Geschlecht zu Geschlecht!

Ehe Berge geboren wurden und Erde und Weltall entstanden — von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott.

Du führst die Menschen zurück zum Staube und sprichst: kehret wieder, Menschenkinder!

Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vergangen, und wie eine Wache in der Nacht.

Psalm 90
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Zum Buch:

Folgende Pss hat Spanier hier übersetzt und ausführlich für jeden verständlich eingeführt und kommentiert:

Kap. 23 -- 51 -- 73 -- 90 -- 121 -- 122 -- 126 -- 128 -- 130 -- 131 -- 137 -- 139.

SpanierPs´22.png

Der kartonierte Großoktavband mit 86 Seiten plus Werbeblättern ist mit einem eineinhalbseitigen Vorwort versehen, welches Dr. Spanier in Berlin, datiert September 1922, verfaßte. Darin heißt es unter anderem: "Dieses Büchlein möchte zur Versenkung in die Gefühlstiefe und dichterische Schönheit des einzelnen Psalms anregen." Alle zwölf Pss sind ausführlich sowohl aus der Sicht des damaligen Beters als auch aus der Perspektive des heutigen Lesers beschrieben. Diese Beschreibung nimmt betreffs des Umfangs ein vielfaches des Bibeltextes ein. Hebräische Begriffe sind -- für den zeitgnössischen deutsch-jüdischen Leser voraussetzungsfrei -- in deutsch wiedergegeben und übersetzt. Einige Besonderheiten der Buchaufmachung sind moderner Antiquadruck, die sehr breite Marginalie (35 mm seitlich und 5 mm von unten) sowie ein gerahmter Bibeltext. Aus "äußeren Gründen" ist in dieser ersten Ausgabe vom Abdruck des hebräischen Schrifttextes abgesehen worden.


Psalmen [1929]

Ausgewählt und erläutert von Dr. M. Spanier (hebr. / deutsch)

Berlin: C. A. Schwetschke & Sohn / Verlagsbuchhandlung o. J. (1929). Zweite, vermehrte Auflage

Koph.png Wortstimme

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und seiner Hände Wirken verkündet die Feste.

Der Tag sprüht dem Tage die Rede zu, und die Nacht raunt der Nacht die Kunde.

Nicht Rede, nicht Worte, deren Schall unhörbar: in alle Lande geht aus ihr Klang und bis ans Ende der Welt ihre Worte.

— — — — — — — — — — — — —

Dem Sonnenball setzt er ein Zelt in ihnen.

Psalm 19
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Zum Buch:

Neu hinzugekommen waren in dieser zweiten Ausgabe die Pss 8 -- 16 -- 19 -- 22-- 42/43 -- 46 -- 50 -- 104 -- 123 und 129. Das erweiterte Vorwort schrieb Dr. Meier Spanier im Februar 1929 zu Berlin.

Nur in dieser Auflage ist auch der hebräische Bibeltext zusätzlich abgedruckt.

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Die Aufmachung ist ähnlich der der ersten Ausgabe; die Seiten zählen 146 plus Werbeseiten des Verlags. Die umfangreichen Kommentare der bereits vorhandenen Titel der Erstausgabe sind zum Teil ergänzt. Auch Einschätzungen nichtjüdischer Bibelerklärer, z. B. von B. Duhm, sind aufgenommen. Beide Bibeltexte sind umrahmt; das gibt dem Buch einen besonderen Flair. Einige Kapitel, unter ihnen die Pss. 19 und 104, wurden in der »Jüdisch - Liberale - Zeitung«, Berlin 1921- 1934, Herausgeber: Eugen Tannenbaum, veröffentlicht.

Ausgewählte Psalmen [1938]

Mit Einführung von Dr. M. Spanier

Berlin SW 29: Vortrupp • Jüdischer Buchverlag o. J. (1938). Dritte, vermehrte Auflage

Koph.png Wortstimme

"Aber die Liebe Gottes ist von Ewigkeit zu Ewigkeit über seinen Frommen und sein Wohltun noch für Kindeskinder, die seinen Bund hüten und seiner Gebote denken, sie zu halten.

Gott hat im Himmel seinen Thron errichtet, und seine Herrschaft waltet über alles.

Preiset den Herrn, ihr seine Boten, Heldenkräfte, gehorchend dem Ruf seines Wortes, Vollzieher seines Wortes.

Preiset den Herrn, all seine Scharen, seine Diener, die seinen Willen tun:

Preiset den Herrn, all seine Werke, allüberall in seinem Reiche!

Preise, meine Seele, den Herrn!"

Psalm 103
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Zum Buch:

Die Pss 13 -- 27 -- 39 -- 47 und 103 waren in dieser dritten Ausgabe, die zu den definitiv letzten Vermächtnissen des deutschen Judentums gehört, hinzugekommen. Im März 1938 hatte Meier Spanier zu Berlin noch ein kurzes Vorwort geschrieben, in dem es u. a. heißt: "Apologetisches und Polemisches wurde in dem Maß eingeschränkt, wie es mir der Würde und Weihe dieses Gegenstandes, dem Ewigkeitsrange des Buches Tehillim zu entsprechen schien. Dieses Buch soll nur die Aufgabe haben, die Einfühlung in den religiösen und ästhetischen Gehalt der Psalmen zu erleichtern."

Obwohl diese Ausgabe mit 132 Seiten nicht mehr bei Schwetschke & Sohn erschien, sind die Größe des Buchformats (gebunden) und der Antiquadruck beibehalten. Der Schriftsatz ist jedoch anders gestaltet, die breiten Marginalien und Rahmen fortgelassen. Der Bibeltext ist kursiv und kolometrisch, der Kommentartext fett gedruckt.

Biogramm:

Moritz Meier- Spanier war der Sohn des Klempnermeisters Lesser Moses Spanier und Ehefrau Elise, geb. Meier. Die Wunstorfer jüdische Gemeinde bestand Mitte des 19. Jhdt aus etwa 15 meist Handwerker- Familien. Man war nicht orthodox, sondern "religiös", so in Spaniers Erinnerungen zu lesen. Im Anschluß an die Elementarschule wurde Moritz 1879 in die Präparandenklasse der Hannoverschen Lehrerbildungsanstalt aufgenommen. Danach folgten Lehrerstellen in Altona und Hamburg (Mädchenschule der deutsch- israelitischen Gemeinde). Im Anschluß an die Mittelschullehrer- und Rektorenprüfung schlug er die akademische Laufbahn ein, legte das Abiturexamen ab und studierte ab 1891 Germanistik und Philosophie in Heidelberg, wo er über das Thema "Thomas Murners Narrenbeschwörung" mit summa cum laude promovierte. Von 1894 bis 1900 unterrichtete er an der o. g. Hamburger Mädchenschule und kam dann nach Münster i. W., um die Leiterstelle der Marks- Haindorfschen Lehranstalt zu übernehmen. Spanier schrieb während seiner Lehrtätigkeit zahlreiche Artikel über Kunsterziehung sowie mittelalterliche und neue deutsche Literatur. Im Jahr 1911 siedelte er in die Reichshaupstadt Berlin um und übernahm dort die Leitung der "Berliner Mädchenschule" von seinem Amtsvorgänger Joseph Gutmann. Hier kam er auch in Kontakt mit wichtigen Persönlichkeiten, die an der "Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" lehrten, z. B. Ismar Elbogen (1874 - 1943), dem Autor der Monographie »Der Jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung«. Spanier beschäftigte sich während seiner Berliner Zeit intensiv mit dem Studium der hebräischen Sprache sowie mit spezifisch jüdischen Themen.

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Autogramm des "Meyer Spanier" in der Hohelied–Ausgabe von H. Graetz
(wenns denn das unseres Spaniers ist).

Nach seiner Pensionierung 1932 beteiligte er sich an der Organisation von Ausbildungskursen für jüdische Lehrer und führte diese in das jüdische Schrifttum ein -- die Zeit der Repressionen der Nazis gegen das Judentum hatte bereits begonnen. Meier - Spaniers einzigem Sohn Hans - Lothar ( John L.) gelang nach der Pogromnacht vom 9. / 10. Nov. 1938 die Auswanderung in die USA. Er selbst und seine Frau Charlotte blieben hingegen in Berlin und mußten zwei Jahre nach der "Aufhebung des Mieterschutzes für Juden" durch das Gesetz der Nazis vom 30. Apr. 1939 in eines der sog. Judenhäuser nach Wilmersdorf in die Jenaer Straße zwangsumsiedeln. Am 27. Sept. 1942, angesichts der bevorstehenden Deportation, wählten Moritz Meier - Spanier und seine Frau Charlotte den "Freitod".