Reinhardt, Ludwig

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Reinhardt, Ludwig Louis Philipp (* Mannheim/ Baden 12. Sep. 1836 † 30. Mai 1916 in Basel (Schweiz)) Pfarrer V. D. M.


% Das Neue Testament (1° 1878)

vom Standpunkte der Urgemeinde ganz neu aufgefaßt, wortgetreu übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Ludwig Reinhardt

Lahr (Baden): Verlagshandlung von Moritz Schauenburg 1878.

(und) Neuenburg (Schweiz): bei J. Sandoz

Koph.png Wortstimme

25. Dem aber, der euch stärken kann nach meiner frohen Botschaft

und der Predigt von Jesus, dem Gesalbten, nach der Offenbarung des Geheimnisses,

das von ewigen Zeiten her verschwiegen gewesen ist,

26. Jetzt aber geoffenbaret und durch die prophetischen Schriften

nach dem Befehl des ewigen Gottes zum Gehorsam des Glaubens

für alle Nationen kundgemacht,

27. Dem allein weisen Gott, durch Jesus, den Gesalbten,

ihm sei die Herrlichkeit in die Ewigkeiten! Amen.

Römer 16
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Zum Buch:

Zum Kleinoktavband schrieb Louis Reinhardt von Cernier nahe der schweizer Kantonshauptstadt Neuenburg (Neuchâtel) im November 1877 die Vorrede. Wie viele andere nichtkatholische Übersetzer nimmt auch er Bezug auf die Lutherbibel:

Die große Kraft und Volkstümlichkeit der lutherischen Bibel nötigt alle Übersetzer deutscher Zunge, nicht nur auf dieses Meisterstück .... Rücksicht zu nehmen, sondern auch sich so viel als möglich an dasselbe anzuschließen. Statt neuerer Bibelübersetzungen haben wir daher mehr Berichtigungen der lutherischen Übersetzung. Wenn aber ... die protestantischen Kirchen in eine Unzahl engherziger Sekten zu zerfallen drohen, während das jesuitische Rom frecher als je sein stolzes Haupt erhebt, dann kann es offenbar nicht bloß an einzelnen nebensächlichen Ungenauigkeiten in der herrschenden Bibelübersetzung fehlen, sondern dann muß gefragt werden, ob die ganze bei uns herrschende Auffassung des Christentums die richtige, wahrhaft biblische ist oder nicht. Reinhardt jedoch möchte zu einer reinen, objektiven Schriftauffassung gelangen, dem einseitigen und verkehrten Spiritualismus der Kirchen, die aus der plaonischen Philosophie stammt, wehren, welche von den Kirchenvätern der Bibel unbewußt untergeschoben wurde. Als ein Beispiel einer solch falschen Anschauung bringt er den heidnisch belegten Begriff "Hölle" (etwa aus Matth. 5:22) zur Disposition: Da Jesus Jude war und als solcher auch seine jüdische Aufassung zur Geltung gebracht haben wollte, muß dieses auch so aufgefaßt werden: Nicht von Hölle kann also in dieser Schriftstelle die Rede sein, sondern vom feurige(n) Tal Hinnom. Diverse solcher scheinbar unausrottbarer Begriffe der kirchlichen Sprache nimmt der Diener des göttlichen Wortes (lat.: Verbum Dei Minister) ins Visier, um sie in den Fußnoten "richtig zu stellen"; dazu gehören weiterhin die Begriffe " Dämonen", "Himmelreich", "Teufel", "Seele", "Geister", "Grab" etc.

Der Schrifttext ist in Bruchschrift (Fraktur) gedruckt und zweispaltig gesetzt. AT- Zitate sind innerhalb des Textes zu finden. Da, wo Reinhardts Wortauffassung mit der Althergebrachten des Mainstream- Christentums kollidiert, sind mehr oder weniger ausführliche Fußnoten angebracht. Die Übersetzung ist recht genau, auch etwa bezüglich der Syntax: "Wenn die Sprache zuweilen holperig scheint, so ist dies wohl in der Regel durch den griechischen Urtext bedingt, denn der Treue wurde die Glätte der Sprache willig geopfert."

Das Neue Testament [2° 1910 & 1923]

vom Standpunkte der Urgemeinde ganz neu aufgefaßt, wortgetreu übersetzt; mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Ludwig Reinhardt

München: Verlag von Ernst Reinhardt. Zweite verbesserte Auflage 1910

(München: Verlag von Ernst Reinhardt. Dritte, unveränderte Auflage 1923)

Koph.png Wortstimme

Nachdem Gott vielfach und auf vielerlei Weise

dereinst zu den Vätern geredet hat, in den Propheten,

hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn,

Welchen er gesetzt hat zum Erbe von allem,

durch welchen er auch die Weltläufe gemacht hat,

Welcher, als Abglanz seiner Herrlichkeit und Ausprägung *)

seines Wesens, und alles tragend mit dem Wort seiner Kraft,

sich gesetzt hat zur Rechten der Majestät in den Höhen,

nachdem er eine Reinigung der Sünden bewirkt hatte,

Und ist um so viel besser geworden, wie die Engel,

als er einen vorzüglicheren Namen vor ihnen ererbt hat. _______________________________________________

*) Das griechische Wort ist „ Charakter".

Hebräer 1: 1- 4
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Zum Buch:

Reinhardt nimmt, so schreibt er in der gut achtseitigen Vorrede, datiert Basel, 20. Febuar 1910, "heute dem äußerlichen Buchstaben der Bibel gegenüber eine wesentlich freiere Stellung ein, als vor 35 Jahren."

Was die Übersetzung betrifft, wurde das in der Erstauflage benutze Wort "Gesalbter" durch "Messias" ersetzt. Die Begründung dafür liest sich folgendermaßen: Schon in der ersten Auflage hätte ich gerne das griechische Wort „Christos" mit dem zwar hebräischen, aber jetzt jedermann geläufigen Wort „Messias" übersetzt, aber ich entschied mich damals für das deutsche Wort „der Gesalbte", weil ich fürchtete, man werde sonst meinen, ich wollte den von der Kirche schon seit 1800 Jahren abgeschüttelten, beschränkt national- jüdischen und jüdisch-apokalyptischen Messiasgedanken neu beleben und in den Vordergrund stellen....Diesen verkehrten ( d. i. "der Gesalbte", d. Vf.), aus dem Heidentum, nicht aus dem biblischen Monotheismus stammenden Sinn schieben wir jetzt unwillkürlich auch dem deutschen „der Gesalbte" unter, so daß diese Übersetzung nicht genügt, um uns den ursprüngliche Sinn des Neuen Testamentes klar zu machen. Dazu bedarf des des geschichtlichen gewordenen und fixierten Amtsnamens "Messias" welchen ich jetzt konsequent durchgeführt habe.

Geändert wurde an der Gesamtkonzeption des Buches nichts.

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Dieses NT ist eines von mehreren, die die umstrittene Lehre von der Sterblich- bzw. Unsterblichkeit der Seele durch Kommasetzen (hier: Setzen des Doppelpunkets) in Lukas 23: 43 (in Verbindung mit Joh. 20:19) in eine bestimmte Richtung lenken. Unser Autor übersetzt: Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir heute: Mit mir wirst du im Paradiese sein.

Weitere NT- Ausgaben, die durch Interpunktionsverschiebung so oder ähnlich argumentieren, sind: Jedermanns- Bibel (1930); Wilhelm Michaelis (1934), Konkordantes NT (1939 ff), Neue Welt (1963 ff), Ernst Simon (1976 f), Heinz Schumacher (2002), Volxbibel (1.0 und 2.0; aber anders in 3.0 und 4.0).


Biogramm:

Kaufmann, Missionar (in Indien), Pfarrer in der Schweiz, Verleger, Schriftsteller, öffentlicher Redner. V.D.M. = Verbi Domini Minister / Diener des göttlichen Wortes.

Beide Elternteile waren Abkömmlinge von Hugenotten. Er hatte französiche Vornamen, nämlich Louis Philipp. Er erlernte den Beruf des Kaufmanns in Lahr (Baden). Erfaßt vom Pietismus ging er nach Basel, lernte dort seine spätere Frau kennen und wurde vier Jahre lang im Baseler Missionshaus ausgebildet und lernte dort Griechisch und Hebräisch.

1859 Missionar an der Malabarküste in Ostindien.
1870 Rückkehr, Lehrer am Baseler Missionshaus.
1872 Pfarrer im Kanton Neuenburg, Übernahm eine Druckerei, gründete eine Tageszeitung.
1896 zog er sich zurück, um wissenschaftlich zu arbeiten.