Marx, Leopold

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Marx, Leopold Joschua (* Cannstadt/ Württ. 18. Dez. 1889 Mem.png 25. Jan. 1983 Shavej Zion/ Israel)


Das Lied der Lieder שיר השירים

In Deutsche Verse übertragen und erläutert von Leopold Marx

Vorwort von Albrecht Goes

Stuttgart: Philipp Reclam Jun. © 1964 Universal Bibliothek RUB Nr. 8896

Koph.png Wortstimme

Lege, ein Siegel, mich

du auf dein Herz!

Tu als ein Siegel mich

auf deinen Arm!

Todesmächtig,

du, ist die Liebe —

hart wie die Hölle

ist eifernde Qual.

Gluten Feuers

sind ihre Gluten,

Flamme des Herrn.

Wassers Fülle

löscht nicht die Liebe,

breite Ströme

ertränken sie nicht.

Wollte um Liebe

hingeben einer

all seines Hauses

Schätze — ihn träfe

Spott nur, nur Spott.

VIII: 6- 7
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Zum Buch:

Kartoniertes Duodez- Heft mit 80 Seiten. Albrecht Goes (1908 - 2000) schrieb ein dreieinhalbseitiges Vorwort; darin wird über die Geschichte des Hohen Liedes berichtet in seinen "Spielarten", Deutungsversichen und Vertonungen. Ebenso sind dem schwäbisch- israelischen Dichter Marx Gedanken gewidmet. Der Text des Liedes der Lieder die von Schlomo her sind ist in strenger Kolometrie abgedruckt, wie in der WS ersichtlich. Die Ss. 37 bis 53 sind einem Nachwort vorbehalten, in dem die Rezeption des "Schir haSchirim" während der Jahrtausende seiner Wirkungsgeschichte ausführlich dargelegt wird; sowohl jüdische als auch christliche Erklärungen und Ausleger von Rabbi Akiba bis Franz Rosenzweig und Origenes bis Karl Budde sind aufgeführt. Es folgen die "Anmerkungen zum Text", darin findet der Leser/ Studierende auch sprachliche Interpretationen und Lesartvarianten verschiedenster jüdischer und christlicher Übersetzer (...)

Das Lied der Lieder (Das Hohelied) שיר השירים

In Deutsche Verse übertragen und erläutert von Leopold Marx

Vorwort von Albrecht Goes

Stuttgart: Philipp Reclam Jun. © 1964 Universal Bibliothek RUB Nr. 8896. 2. Auflage; überarbeiteter Neudruck 1983

Koph.png Wortstimme

...

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Zum Buch:
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Reclam- Titel: 
links 1983er, rechts 1964er Ausgabe

Die Lobgesänge • Das Buch der Psalmen

/ aus dem hebräischen Urtext neu übertragen (von Leopold Marx)

Herausgegeben in Verbindung mit der Deutschen Schillergesellschaft von Nathan Peter Levinson

Gerlingen/ Württ.: Bleicher Verlag. 1. Auflage 1987

Koph.png Wortstimme

Ein Lied Assafs.

ER, Gott, der Herr- Gott, er hat geredet,

hat aufgerufen das Erdland

von der Sonne Aufstrahlen

bis wo sie versinkt.

Von Zion, der Schönheit Inbegriff her

tritt Gott in Erscheinung,

er kommt, unser Gott, und nicht schweigt er.

Vor ihm her frißt ein Feuer,

rings um ihn stürmt es gar sehr.

Er ruft hochhin über den Himmel

und über das Erdland, zu rechten

mit seinem Volk:

»Versammelt mir meine Getreuen,

die über dem Schlachtmal

den Bund mit mir schlossen!«

Seinen Wahrspruch melden die Himmel,

denn er selbst ist der Richter, Gott. Sela.

»Hör zu mein Volk, ich will reden,

Zeuge sein, Jisrael, wider dich,

ich Gott, dein Gott.«

Der fünfzigste Lobgesang

Ein Gebet Mosches, des Mannes Gottes.

Heim warst du uns, mein Herr, du, Geschlecht um Geschlecht.

Eh Berge geworden, eh kreißen

du Erde ließest und Welt,

von eh und für je bist du Gott.

Kehren läßt du den Menschen zu Staub,

sprichst: »Kinder Adams,kehrt zurück!«

Tausend Jahre sind in deinen Augen ja

wie der gestrige Tag, wenn er schwand,

ja, wie eine Wache in der Nacht.

Der neunzigste Lobgesang


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Zum Buch:

Fadengehefteter Oktavband mit 270 Seiten. Der Schutzumschlag zeigt (hebräisch) den Masoretischen Text des Ersten und Teile des Zweiten Psalms.

N. P. Levinson hat sich in der fast siebenseitigen Einleitung ausführlich mit der Bedeutung der Psalmen im jüdischen Glauben auseinandergesetzt; In »Der jüdische Beitrag zur Verdeutschung der Bibel« geht er außerdem auf die Wertigkeit der Septuaginta ein. In der Geschichte der jüdischen Psalmenübertragungen werden besonders die von Rosel Fischel (1586), Moses Mendelssohn (1783), Leopold Zunz (1835), S R. Hirsch (1882), Harry Torczyner (1935) und Martin Buber (1936) hervorgehoben, die von Leopold Marx weitergetragen werden. Eingesehen wurden weiterhin laut Bibliographie weiterhin die Übersetzungen von M. Luther (1964), der "Elberfelder Bibel" (1986) sowie der "Einheitsübersetzung" (ab 1971).
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Die Psalmtexte sind kolometrisch abgedruckt, was dem lauten Lesen, ähnlich wie bei Martin Bubers ´Preisungen` sehr entgegenkommt. Zählungen sind an jedem 5 Vers beigegeben, ebenso die Überschriften. Zu 16 Lobgesängen sind Anmerkungen im Anhang geschrieben. Sehr lesenswert sind die daran anschließenden Seiten: Da die Entstehungsgeschichte des Psalmenmanuskripts durch zahlreiche Dokumente belegt ist, kann der Leser hier die spannende Entwicklung durch alle Stadien nachvollziehen. Auch die Veröffentlichungsversuche bei zahlreichen verlagen ist nachgezeichnet, da Marx die Manuskripte schon im Herbst 1971 dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach anvertraut hatte. Ein großes Lob dem Bleicher Verlag, der all dies hier dem Leser nicht vorenthalten hat: Ein Negativbeispiel, das sich bei einer ebenfalls jüdischen Übertragung ereignet hat, ist die zweite Ausgabe von Alisa Stadlers »Psalmen«, vom Tyrolia- Verlag Innsbruck veröffentlicht; hier hat man die höchst lesenswerten Vor- und Nachworte der Erstausgabe von 1986 nicht nur einfach fortgelassen, sondern dem Leser auch vorenthalten, daß es sich hier um die Verdeutschung einer Jüdin handelt. Der Bleicher- Verlag und die Deutsche Schillergesellschaft haben hier in jeder Beziehung vorbildlich gehandelt!




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Biogramm:

»Ein Leben war's, und Heimat war's und Leids/ und Glücks genug ... Schön war's, schlimm war's –/ vorbei!« Mit diesen Versen aus seinem Gedicht »Entrinnen« verabschiedet sich Leopold Marx im Oktober 1939 aus seiner geliebten Heimatstadt Stuttgart und rettet sich nach Palästina. Marx gilt als bedeutender schwäbisch-jüdischer Lyriker und Schriftsteller.

Leopold Marx ist der älteste Sohn von Eduard und Babette Marx, sie zählen zu den wohlhabenden Familien in Bad Cannstatt. Nach dem frühen Tod des Vaters muss der Zwanzigjährige als ältester Sohn von vier Geschwistern die Leitung des Familienbetriebs »Mechanische Bandweberei Gutmann und Marx« mit Sitz in Bad Cannstatt und Neuffen (Kreis Esslingen am Neckar) übernehmen. Während des Ersten Weltkriegs gerät Marx 1916 in dreijährige französische Gefangenschaft; hier entstehen seine ersten Gedichte. Hermann Hesse, der von Bern aus eine Kriegsgefangenen-Fürsorge leitet, wird Marx´ Förderer und hilft beim Abdruck der ersten Gedichte. Nach gelungener Flucht aus Nordfrankreich 1919 arbeitet Marx wieder im Familienbetrieb, nebenbei verfasst er Verse und Artikel für verschiedene Zeitungen. Die Jüdische Rundschau und andere Blätter drucken seine Arbeiten, die stark von Marx´ zionistischen Überzeugungen geprägt sind. 1926 gründet er zusammen mit seinem Freund Otto Hirsch den »Verein Jüdisches Lehrhaus Stuttgart«. Als die Synagoge Cannstatts in der Pogromnacht am 9. November 1938 zerstört wird, soll Marx der jüdischen Gemeinde sein Haus als Ersatz angeboten haben. Am 14. November wird er für 18 Tage im Konzentrationslager Dachau inhaftiert: »Der Dachauer Tod ist der Tod beim Appell .../ doch – es stirbt sich auch gut im Revier.« Anfang 1939 wird die Firma arisiert und die Familie zum Verkauf ihrer Grundstücke gezwungen. Nach einer zweiten Inhaftierung durch die Gestapo im Mai 1939 reisen Marx´ Söhne nach Palästina aus. Als der Dichter und seine Frau Judith endlich folgen können, sind, nach dem Ausbruch der Zweiten Weltkriegs, die zuvor gekauften Karten für die Überfahrt verfallen. Mit viel Glück können sie noch Tickets für einen Flug von Brindisi nach Haifa erwerben. Am 6. Oktober 1939 erreichen sie Palästina. Marx´ Mutter Babette und zwei ihrer Brüder werden am 22. August 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie innerhalb weniger Monate umkommen. In Palästina arbeitet die Familie im landwirtschaftlichen Kollektiv Shavej Zion, wo Marx in der Landwirtschaft tätig ist. Das Kriegsende 1945 feiert Marx aus der Ferne: »Leben wächst aus Tod.« Zeitlebens schreibt der Schriftsteller in seiner deutschen Muttersprache. 1964 erscheint seine lyrische Übertragung des »Lieds der Lieder« in Reclams Universalbibliothek und wird vom Stuttgarter Komponisten Georg von Albrecht vertont. In der Waiblinger Straße 12 in Bad Cannstatt, wo sein im Krieg zerstörtes Geburtshaus stand, erinnert seit 1985 ein Gedenkstein an den Künstler.

(cp; aus www.zeichen-der-erinnerung.org)