Marbach, Johannes

Aus Bibelpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hauptseite · Übersetzungen · Übersicht Psalmen · Autoren/Titel · Gesamtausgaben · Einzeldarstellung · Bibliographie & Ex Libris
A · B · C · D · E · F · G · H · I · J · K · L · M · Schiboleth · N · O · P · Q · R · S · T · U · V · W · X · Y · Z


Kreuz7.gif
Marbach, Johannes (* Staden b. Friedberg, Oberhessen 3. Mai 1829 † 21. Nov. 1905 Eisenach, Thüringen) Lehrer, Pfarrer, Superintendent Dr. theol. & phil.



 »Es genügt darauf zu verweisen, wie die orientalische Sitte eine strenge Sonderung der Geschlechter erheischt, wie die Frauen einer strengen Ueberwachung unterworfen sind, welche sich auch äußerlich in ihrer Verschleierung kundgibt. Daß unter solchen Verhältnissen, welche dem Weib alles selbsteigene Wesen rauben, die Liebe nicht zur schönen freien Entfaltung kommen kann, ist einleuchtend und wird durch das Haremleben auf traurige Weise bestätigt. Beim hebräischen Volk bestand diese Sitte nicht, vielmehr nahm das Wein eine selbstständige und von den Männern geachtete Stellung ein. Ich erinnere nur an Sarah, Rebbeka, Deborah, Mirjam und Andere, und diese Sitte, die im Christenthum ihre höchste Verklärung gefunden hat, blieb auch im besseren Theil des hebräischen Volkes d. h. in dem nationalen Theil desselben fortwährend in Kraft.(…)«
J. Marbach in der Einleitung zu ´Sulamit`.


Inhaltsverzeichnis

Sulamit

Das schönste Lied der Liebe, neu übersetzt und erklärt. Freunden der Poesie und Liebe gewidmet von Dr. Joh. Marbach

Frankfurt am Main: J. D. Sauerländer´s Verlag. 1863

Koph.png Wortstimme

Wer ist jene, die dort heraufsteigt aus der Wüste, / Gestützt auf ihren Geliebten?

Unter dem Apfelbaume / Erwarb ich deine Liebe. / Dort verlobte dich mir deine Mutter, / Dort verlobte sie sich, die dich gebar. /

Lege mich als einen Siegelring auf dein Herz, / Als einen Siegelring um deinen Arm.

Denn stark wie der Tod ist die Liebe, / Fest wie die Hölle der Liebeseifer. / Ihre Gluthen sind Feuergluthen, / Sie ist die Flamme Jehova's!

Große Wasser können die Liebe nicht löschen, / Und Ströme ersäufen sie nicht, / Böt Einer seines Hauses ganzen Reichthum um Liebe: / Ha! Lachen würde man seiner!

(Kap. 8)
Bookmitband.gif
Zum Buch:

OPappband; kl.–8°; VIII & 88 Seiten, Frakturdruck. Schrifttexte (ab S. 26) einspaltig und z. Tl. kolometrisch gesetzt. Verschiedenes ist in Fußnoten kommentiert, alle Lieder sind umfassend erklärt. Ein zweiseitiges Nachwort beschließt die Dichtung, die in zehn (X) Lieder umgearbeitet ist.

Das Vorwort, verfasst von Dr. J. Marbach und datiert "Büdingen, im Juni 1863", umfasst vier Seiten. Die darauf folgende Einleitung ist 23 Seiten lang.

Im Vorwort schreibt Marbach u. a.:

»Die neue Uebersetzung und Erklärung des sogenannten Hohenliedes wird mit der Absicht herausgegeben, Freunden der Poesie zum Genuße und, was die Grundlagen für denselben ist, zum Verständiß dieser alt=hebräischen Dichtung zu verhelfen. (…) Bezüglich der Uebersetzung suchte ich von dem Original einen möglichst treuen Abdruck zu geben, glaubte aber nicht soweitgehen zu dürfen, daß die deutsche Sprache die in dem Hebräischen schon an und für sich liegenden Assonanzen und Reimklänge schwächlich nachtrompetete. Was der hebräisch=poetischen Sprachform wirklich egenthümlich ist (denn alle Untersuchungen, Gesetze der Scanzion in ihr zu finden, waren erfolglos), das nachzubilden war ich eifrig bemüht. Indem ich so das Seufzerartige, Abgebrochene, kindlich Stammelnde, wie das sanft Erzählende und den bisweilen odenartigen Ton des Originals mit dem natürlichen rhythmischen Fall der deutschen Sprache zu verschmelzen suchte, ging meine Absicht dahin, eine Uebersetzung zu geben, über welcher der orientalische Hauch des Originals schwebe und die doch für das deutsche Ohr wohlklingend sein. (…)«

Ein Lapsus unterlief Marbach oder dem Schriftsetzer in der Bibliographie auf S. 6: Als Verfechter der Hypothese, das Hohelied sei ein Drama, führt er einen Herrn Tetzschow an (´Das Hohelied Salomonis als Oratorium`, 1856); dieser Herr heißt Wilhelm Telschow.

_____________________________________________________

Biogramm:

Geboren im Oberheſſiſchen als der Sohn eines Schieferdeckermeiſters, beſuchte Johannes Marbach, durch Volksſchul- u. Privatunterricht vorbereitet, ſeit 1843 die Gymnaſien zu Büdingen und Darmſtadt, und ſtudierte 1850-53 in Gießen Theologie, wo er ſich beſonders dem Einfluſſe des Profeſſors Credner überließ.

Nach Erſtehung des Fakultätsexamens bezog er das Predigerſeminar in Friedberg und übernahm 1854 eine Lehrerſtelle an einer höheren Privatmädchenſchule in Gießen, erwarb auch in demſelben Jahre die Würde eines Dr. phil. Im Dezember 1856 kam M. als Pfarrvikar nach Eſſenheim bei Mainz, im Herbſt 1860 nach Hauſen bei Gießen und im Juni 1863 als dritter Pfarrer nach Büdingen. Der freieren, hiſtoriſchwiſſenſchaftlichen Richtung in der Theologie folgend, nahm er 1865 an der Gründung des Proteſtantenvereins in Eiſenach hervorragenden Anteil. Seit 1869 Pfarrer in Obbornhofen in der Wetterau, berief ihn 1872 der Gemeindekirchenvorſtand von Eiſenach in die dortige Oberpfarrſtelle, und die Staatsbehörde übertrug ihm 1879 auch die Superintendentur. In dieſen Ämtern wirkte er bis zum Jahre 1899, wo er in den Ruheſtand trat. Die Univerſität Jena verlieh ihm für ſeine Arbeiten zur Geſchichte der deutſchen Predigt, ſowie auf katechetiſchem und ethiſchem Gebiet die Würde eines Dr. theol. Er ſtarb 1905 in Eiſenach.

(Quelle: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913.)