Möller, Hans

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Möller, Hans (* Apollensdorf Kr. Wittenberg, Anhalt 27. Juli 1908 † 19. März 1996 Trebitz/ Elbe) Dr. theol. habil.; Dozent


Der Anfang der Bibel (1978)

[Übersetzung und Auslegung von] 1. Mose 1–11 [von] Hans Möller

[Leipzig, Sachsen]: Herausgegeben von der Vereinigung selbständiger evangelisch–lutherischer Kirchen

Berlin (DDR): Ⓒ Evangelische Verlagsanstalt EVA 1978. 2. Auflage 1981


Koph.png Wortstimme

1) Und der Mensch erkannte Eva, seine Frau, und sie wurde schwanger und gebar den Kain, und sie sprach: „Einen Mann habe ich gewonnen, den Herrn.“

2) Danach gebar sie (wörtlich: und sie fuhr fort zu gebären) seinen Bruder Abel, und Abel wurde ein Schafhirt, und Kain was ein Ackerbearbeiter.

3) Und es geschah eines Tages (wörtlich: am Ende von Tagen), da brachte Kain dem Herrn ein Opfer dar von der Frucht des Ackers, 4) und auch Abel brachte dar von den Erstgeburten seiner Schafe und von ihrem Fett, und der Herr sah Abel und seine Opfergabe an, 5) aber Kain und seine Opfergabe sah er nicht an.

Da wurde Kain sehr heiß (vor Zorn), und sein Gesicht verfiel.

6) Und der Herr sprach zu Kain: „Warum wird die heiß, und warum verfällt dein Gesicht? 7) Ists nicht so: wenn du gut handelst, gibts Emporheben, aber wenn du nicht gut handelst, lagert vor der Tür die Sünde, und nach dir steht ihr Verlangen, aber du sollst über sie herrschen.“

7) Und Kain redete mt seinem Bruder Abel *, und es geschah, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.

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* Samaritaner, Septuaginta, Syrer, Latina und Vulgata füllen einen wortfreien Zwischenraum aus, indem sie einsetzen: „Laß uns aufs Feld gehen“.

Kap. 4
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Zum Buch:

Klebegebundenes Paperback, 108 S. Genesistext abschnittsweise in Kursiv gesetzt, darauf folgt die Auslegung.

Hans Möller schrieb, datiert Trebitz[/ Elbe], d. 15. August 1977, sein einseitiges Vorwort; darin heißt es zuvorderst:

»Dieser Veröffentlichung liegt eine Vorlesung zugrunde, die ich am Leipziger Theologischen Seminar der Lutherischen Freikirche gehalten habe. Theologiestudenten waren also der erste Kreis, dem die Ausführungen galten. In der Neubearbeitung als Buch möchten sie sich an die wenden, denen an streng bibeltreuer Auslegung liegt, wie z. B. den Gliedern der Vereinigung selbständiger evangelisch–lutherischer Kirchen. Über diesen Bereich hinaus will das Buch Fragen an die richten, die an der Textzersplitterung durch Quellenscheidung festhalten, und denen eine Hilfe an die Hand geben, die eine biblische Gesamtschau erhalten möchten.« (Forsetzung siehe unten, zur 3. Auflage)
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Der Anfang der Bibel (³1997)

[Übersetzung und] Auslegung von 1. Mose 1–11 [von] Hans Möller

Zwickau, Sachsen: Concordia–Verlag. (1978). 3. bearbeitete Auflage 1997


Koph.png Wortstimme

(1) Und es geschah, als die Menschen auf der Oberfläche viel zu werden anfingen und ihnen Töchter geboren wurden, (2) da sahen die Kinder Gottes, daß die Menschentöchter schön waren, und nahmen sich zu Frauen von allen, die ihnen gefielen.

(3) Und der Herr sprach: „Nicht wird (soll) mein Geist für immer in den Menschen weilen, in ihrem Irren sind sie Fleisch, und ihre Tage sollen 120 Jahre sein."

(4) Die Riesen waren auf Erden in jenen Tage und auch, nachdem die Gotteskinder zu den Menschentöchtern eingingen und sie ihnen (Kinder) gebaren, das sind die Helden, die vorzeiten berühmte Männer waren.

Kap.6
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Zum Buch:

Klebegebundenes Paperback, 90 & (8) S.

Der Genesis– Text ist in einer wörtlichen Übersetzung des Autors (Fettdruck) zitiert.

Am 15. August 1977 hatte Hans Möller von Trebitz a. d. Elbe zur 1. Auflage ein Vorwort geschrieben; darin heißt es unter anderem, er lehne die in der Wissenschaft übliche Quellenaufteilung des Pentateuch ab und begründe dies in den vorliegenden Ausführungen. Auch seine Sicht der so genannten Engelehen (1. Mose 6) weiche von der durchgängig Vertretenen ab. Seine Vorlesungen am theologischen Seminar der Lutherischen Freikirche zu Leipzig sind die Grundlage dieser Schrift; sie richten sich an Menschen, denen an bibeltreuer Auslegung liegt.

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Das Vorwort zur 3. Auflage ist von G[ottfried] Hermann im Auftrag des Dozentenkollegiums des Lutherischen Theologischen Seminars Leipzig (undatiert) geschrieben. Der ursprüngliche Text von Hans Möller sei gegenüber den vorigen Auflagen im Wesentlichen unverändert geblieben, so Hermann.


Biogramm:

Nachruf: Im Frühjahr 1996 wurde in Trebitz (bei Wittenberg) Dr. theol. habil. Hans Möller im Alter von fast 88 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit heimgerufen. Der Verstorbene hat seit der Gründung (1953) unseres Lutherischen Theologischen Seminars in Leipzig 37 Jahre lang als Gastdozent im Fach Altes Testament gelehrt. Im Wintersemester 1989/90 hielt er seine letzten Vorlesungen in Leipzig. Jahrzehntelang hat er in großer Treue diesen Dienst neben seiner Pfarrstelle versehen und dadurch mitgeholfen, zwei Generationen unserer Pastoren im Geist einer biblisch-lutherischen Theologie zu prägen. Die Evangelisch-Lutherische Freikirche (besonders in Ostdeutschland) verdankt ihm sehr viel.

Dr. Hans Möller erblickte im Sommer 1908 zusammen mit seinem Zwillingsbruder Kurt (der später als Naturwissenschaftler an der TU Dresden lehrte) in Apollensdorf das Licht der Welt. Da die Mutter die Geburt nicht überlebte, heiratete sein Vater, Lic. theol. Wilhelm Möller (1872-1956) später in zweiter Ehe die Schwester seiner ersten Frau. Der Vater übernahm 1912 die Pfarrstelle in Rackith (bei Wittenberg). Dort ist Hans Möller aufgewachsen. Den Schulunterricht erhielten die Kinder großenteils zu Hause durch die Eltern. 1926 legte er am Melanchthon-Gymnasium in Wittenberg das Abitur ab.

Möller studierte Theologie in Tübingen, Bethel, Greifswald und Berlin. Bei einem Kommilitonen erlernte er in dieser Zeit die schwedische Sprache. Mit dieser Kenntnis konnte er später der Evangelischen Verlagsanstalt Berlin bei der Lektorierung schwedischer Übersetzungen behilflich sein. Nach dem 1. theologischen Examen promovierte Hans Möller in Berlin 1931 mit einer Arbeit über den „Strophenbau der Psalmen“ zum Licentiaten der Theologie. Nach dem 2. Examen (1933) erhielt er die Pfarrstelle in Trebitz. Dort ist der Verstorbene bis zu seiner Emeritierung (1974/75) im Dienst der Evang. Landeskirche (Kirchenprovinz Sachsen) tätig gewesen. Im Nebenamt hielt er nicht nur Vorlesungen am Luth. Theol. Seminar in Leipzig, sondern auch am Predigerseminar in Wittenberg. Hans Möller entstammte einem alten Pfarrergeschlecht. Er war der 13. Pfarrer in unmittelbarer Folge. Bis ins hohe Alter hat er an der Vervollständigung seines bis ins Mittelalter zurückreichenden Stammbaumes gearbeitet. Anfang September 1938 heiratete Hans Möller in Dessau seine Frau Ruth geb. Hinze. Der Ehe entstammen zwei Söhne und zwei Töchter.

Zum Erbe seines Elternhauses gehörte die Vorliebe für die Beschäftigung mit dem hebräischen Alten Testament. Sein Vater hatte sich in jungen Jahren nach langem Ringen von der liberalen Theologie gelöst. Eigene intensive Studien offenbarten ihm die Unhaltbarkeit der landläufigen alttestamentlichen Wissenschaft. Fortan wandte er sich in zahlreichen Veröffentlichungen gegen die Bibelkritik. Mit einer solchen Haltung blieb ihm eine akademische Laufbahn verwehrt, zu der ihm Martin Kähler 1908 gern verholfen hätte. Gleichgesinnte fand er im Bibelbund, der anfangs auch für seine Veröffentlichungen sorgte. Über den Bibelbund kam der Kontakt zum Verleger der Ev.-Luth. Freikirche, Johannes Herrmann in Zwickau, zustande. So erschienen die späteren Werke W. Möllers fast ausschließlich in diesem Verlag. Die Verbindung blieb auch erhalten, nachdem der Herrmann-Verlag seit 1946 nur noch unter dem Dach der Evangelischen Verlagsanstalt Berlin (des evangelischen Zentralverlages in der DDR) veröffentlichen durfte. Möller folgte theologisch den Fußstapfen seines Vaters. Durch die Mitwirkung an den großen Werken seines Vaters in den 30er Jahren (Einleitung ins AT, Biblische Theologie des AT, 1958 Grundriß für alttestamentliche Einleitung) wuchs er allmählich in die Arbeit hinein. Mit großer Sachkenntnis argumentierte er gegen die Aufspaltung der alttestamentlichen Schriften in zahllose hypothetische Quellen und plädierte anhand ihres inneren Aufbaus für ihre Einheit und Echtheit.

1962 habilitierte sich Hans Möller in Leipzig mit einer (leider ungedruckt gebliebenen) Arbeit über den Alttestamentler Hermann von der Hardt (1680-1746), einem Studienfreund August Hermann Franckes. Mit der ihm eigenen Akribie legte Hans Möller dabei die Wurzeln der neuzeitlichen AT–Kritik in der Aufklärungszeit offen (vgl. Ernst Lerle, Weichenstellungen in der Hermeneutik, in: Fundamentum 1996, Heft 1, S. 62-74). In den letzten Jahren war es Hans Möllers Anliegen, vor allem auch für Theologiestudenten und interessierte Gemeindeglieder geeignete bibeltreue Literatur anzubieten. So entstanden sein Kurzkommentar zu 1. Mose 1-11 unter dem Titel „Der Anfang der Bibel“ (1978), Nachauflage im Concordia-Verlag Zwickau 1996) und seine „Alttestamentliche Bibelkunde“ (1985).

In der DDR-Zeit gestaltete sich bei Publikationen die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Verlagsanstalt manchmal nicht einfach. Junge, historisch-kritisch geschulte Lektoren oder Zensoren stießen sich verständlicherweise an Hans Möllers bibeltreuer Schriftauslegung. Wenn er dann notgedrungen selbst zu Gesprächen ins Lektorat kommen mußte und dort anhand der aufgeschlagenen hebräischen Bibel argumentierte, mußte mancher leichtfertige Kritiker bald erkennen, daß er nicht aus Ignoranz die Bibelkritik ablehnte, sondern aus genauer Kenntnis ihrer Fehler und Trugschlüsse. Als 1985 erstmals Hans Möllers „Alttestamentliche Bibel-kunde“ erscheinen sollte, wurde die Druckgenehmigung von der „Hauptverwaltung Verlage“ des DDR-Ministeriums für Kultur mit der Begründung abgelehnt, das Ma-nuskript entspreche nicht dem „gegenwärtigen Stand der alttesta¬mentlichen Wissenschaft“. Seine Veröffentlichung „schade dem Ansehen der DDR“. Auch hier konnte aber der Weg zur Publikation letztlich noch geebnet werden, indem stärker auf international bekannte Kritiker der Quellenscheidung hingewiesen wurde. Hans Möller ist nicht müde geworden, auf Christus als Mitte des Alten und Neuen Testaments hinzuweisen. An dieser Stelle schlug das Herz seiner lutherischen Theologie. Wer ihn in seinen Vorlesungen und Seminaren kennengelernt hat, konnte spüren, welche Freude es ihm bereitete, Jesus Christus als Zielpunkt des Alten Testaments gerade auch im Detail aufzuzeigen. Man vergleiche dazu etwa seine Ausführungen zu Hiob 19,25ff in seinem „Sinn und Aufbau des Buches Hiob“.

„Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen“ (Ps 118,17).

Dr. Gottfried Herrmann

(Der Verfasser G. Hermann ist Dozent für Kirchengeschichte und Altes Testament am Lutherischen Theologischen Seminar in Leipzig und z.Z. Rektor der Einrichtung)