Lanz von Liebenfels, Jörg

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Lanz "von Liebenfels", Jörg, Bruder Georg", Adolf Joseph (* Penzing bei Wien (Austria) 19. Juli 1874 † 22. April 1954 Wien (Austria)) Priester, säkularisiert; " Baron Dr. Georg Lancz "

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Es gibt Bücher, von denen man gehofft hätte, sie wären nie erschienen. Jörg Lanz´ Titel ist ein solches. Es ist hier aufgenommen, um der Chronistenpflicht Genüge zu tun. Ohne einen wie auch immer gearteten biblischen Bezug stünde dieses Elaborat nicht hier im BB.


Das Buch der Psalmen teutsch, (1926)

das Gebetbuch der Ariosophen, Rassenmystiker und Antisimiten von J. Lanz von Liebenfels.

I. Band: Text.

Düsseldorf a. Rh. = Unterrath: Verlag Herbert Reichstein 1926


Paraphrase

Anstelle der WS wird hier ZITIERT:

»Der Götter Herr ruft auf zum Thing die Erde,

Von Ost und West strömt her der Menschen Herde.

Es kommt in Pracht von Zion angefahren

Jetzt unser Gott, der sich will offenbaren.

Von seinem Antlitz zucken Blitzesschlangen,

Er hat den Wolkenmantel umgehangen.

Sein Volk zu richten vor des Thrones Stufen,

Hat Himmel er und Erde aufgerufen.

Denn ihn umgibt der heil'gen Väter Runde,

Die Ihm verlobt in heil'gem Artungsbunde,

Ihm mit der Engel tausendstimm'gen Chören

Als strengen doch gerechten Richter ehren:

„Du meiner Zuchtwahl Volk merk auf und hör' es,

Ich war Dein Gott und bin Dein Gott, Ich schwör' es!

Psalm 49 V („Deus, deorum Dominus")

(Das Gebet Mosis, des Gottesmannes).

Du bist, o Teuto, unsre Zufluchtsstätte

Von Ewigkeit in alle Ewigkeiten.

Noch vor der Erde und der Berge Riesen

Bist Du schon Herr, bist Du schon Gott gewesen.

Laß nicht die Menschenart nach abwärts sinken,

Der Du einst riefst die Menschheit auf zur Hochzucht,

Dem tausend Jahre sind gleich einem Tage,

Ein Leben gleich ist einem Augenblicke,

Denn die Geschlechterfolgen sind nur Blumen,

Die morgens blüh'n und abends schon verwelken.

Psalm 89 V („Domine refugium factum es nobis")


Dir, Frauja, Gott der artungsreinen Liebe,

Lobsinge ich aus tiefstem Herzenstriebe.

Es jubelt zu frohlockend meine Seele

Dem Gott, dem ich mein ganzes Heil empfehle,

Er hat aus Schmach die reine Magd erhoben,

Die man nun wird als Gottesmutter loben.

Er hat, der mächtig ist an Heldenstärke,

An mir vollendet Seines Namens Werke.

Und Segen wird Er den Geschlechern geben,

Die treu in strenger Artungsreinheit leben.

„Magnificat" nach Luc. I 46f
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Zum Buch:

Der ex- Mönch hat interessanterweise nahezu alle 150 Kapitel des Psalters metrisch übertragen. In einem Neu- oder Nachdruck ließt der Untertitel: > Das Gebetbuch der neuen Templer. Was wirklich in den Psalmen steht <. Das im Untertitel benutzte Fremdwort "Antisimitismus" erklärt bzw. übersetzt Lanz übrigens mit "Anti- Affentum"! Im Ps. 118 (119) sind die Peh und Zade– Strophen V. 129 –144 weggelassen, in anderen Kap. z. Tl. verdichtet.

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J. Lanz v. Liebenfels schreibt in der 16seitigen Einleitung, datiert: Propstei St. Blas, Epiphanie, 1926, folgendes:

»Und doch wage ich zu behaupten, daß diese Uebersetzung, obwohl sie nicht als wortgetreu angesehen werden kann, doch sinngetreuer ist, als die heute allgemein verbreiteten, von konfessionellem und dogmatischem Geist durchtränkten, und daher verfälschten Übersetzungen. (...) Leider haftet dieser grundsätzliche Fehler auch der am meisten verbreiteten lutherischen Uebersetzung an. So wertvoll sie als literarisches Werk ist, so wenig kann sie als ein wissenschaftliches Werk angesprochen werden. (...) Das kommt aber daher, weil Luther ein schlechter Hebraist war, aber trotzdem die Bibel aus dem hebräischen übersetzen wollte und sich dabei der Hilfe eines Rabbiners bediente! Man sieht ja, was aus dieser „Hilfe" herauskam!«

Lanz hielt sich dagegen, wie er schreibt, an die "Tradition", nicht an die "Rabbiner". Er folgte „ängstlich" der „Septuaginta", der „Hexapla", der lateinischen „Itala" und der „Vulgata" des Hieronymus, schließlich der ihm national und rassenhaft am nächstehenden gothischen Version des Ulfilas und den altdeutschen Glossen; letztere seien beide Germanen gewesen. Gerade für uns sei es von größtem Interesse zu erfahren, wie sich der biblische Geist in germanischen Gehirnen wiedegespiegelt hat. Im Geiste Ulfilas und des Hieronymus, also mit germanischen Übersetzern gelesen, »entpuppt sich die ganze Bibel als das gigantische Werk ur- arischen Geistes und ist sie der herrlichste Preisgesang auf die arioheroische Rasse und auf das Geschlecht der Söhne Teut's!«

Soviel zu Lanzens Auslassung. Wesentlich für seine Psalmenübertragung ist die Umdeutung des heiligen Namens IHWH, wie er sie etwa in Ps. 1 erklärt, wo er den Begriff Frauja setzt und begründet:

»So übersetzt Ulfilas ständig, das in der Bibel so häufig vorkommende hebr. Adonaj, griech. Kyrios, lat. Dominus. Das ist nicht unser modernes „Herr" schlechtweg, wie alle neuzeitlichen Bibelübersetzer falsch übersetzen, sondern nomen proprium eines Gottes, des, „Adonis", oder des germanischen Frauja oder Frohdi, oder auch Teuto`s, des Gottes der reinen Liebe, der reinen heldischen Rasse, der Schönheit, der Sonne, des Frühlings, oder kurz des Stammgottes und Repräsentanten der blonden heroischen Menschenrasse.« 

Weiterhin schreibt er in einer Anmerkung zum V.1 des oben zitierten Psalm 89 (V):

»Ich lasse Moses ruhig zu Teuo beten, denn der vielgerühmte ägyptische Thot, der Gott der Weisheit und griechische Hermes (Irmin) ist eben niemand anderes als unser Teuto! Thot und Teuto sind nicht nur Wortgleichungen, sondern auch Sachgleichungen, beide sind Substitutionen für Mercurius= Wotan.«

Lanz denunziert also den heiligen Namen des Ewigen, setzt den Herrn des Kosmos gleich einem altägyptischen und germanischen Götzen und profaniert biblisches Psalmwort.

Am Schluß der Einleitung versteigt sich Lanz geradezu:

»Die Psalmen waren lange vor Christi Geburt in lebendigem Gebrauch in den Tempeln und Heilstätten unseres Stammgottes! Es liegt ungeheure, unsterbliche Magie, weiße Magie, in diesen Gedanken und Worten, die wie Riesentürme gegen den Himmel ragen. (...) Dieses lebendige Wort soll weiter lebendig wirksam bleiben und aus dem heutigen arioheroischen Menschen den Gottmenschen der Zukunft formen."

Im Anschluß folgen die "Psalmtexte" nach der Vulgata numeriert und mit den Überschriften derselben versehen einspaltig versweise gesetzt. Nach den 150 Kapiteln ist noch das "Magnificat" übertragen (Siehe Zitat oben); der Begriffe "Artungsreinheit" als Zielsetzung der Segensbeziehung zwischen Mensch und Gott spricht für Lanz´ völkisch geprägte Ariosophie.

Das Buch umfaßt total 195 Seiten, gesetzt ist in der damals üblichen Fraktur. Das wird für den Nach- bzw. Neudruck wohl nicht gelten.

Eine kurze Glosse zur Psalmenübertragung u. a. von Lanz kann man hier > Unterm_Birnbaum >Eintrag 5. Februar 2013 nachlesen.

Das Buch der Psalmen teutsch, (antiqua– Neudruck 2013)

das Gebetbuch der Ariosophen, Rassenmystiker und Antisimiten. Von J. Lanz von Liebenfels.

I. Band: Text.

Graz, Steiermark: Ⓒ Irene Huber 2013. Verlag: Edition Geheimes Wissen


Paraphrase


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Zum Buch:

Paperback, Oktavband; 198 & (2) S. Antiquadruck. "Schrifttexte" einspaltig versweise zusammengefasst gesetzt. Erklärungen in Fußnoten; weiteres wie in der Erstausgabe 1926.

Bemerkenswerte Anmerkung im Impressum:

“Dieser Druck dient ausschliesslich der esoterischen Forschung und wissenschaftlichen Dokumentation. Für Schäden, die durch Nachahmung entstehen, können weder Verlag noch Autor haftbar gemacht werden“.

Die Übertragung des ursprünglichen Frakturdrucks in Antiqua hat Spuren hinterlassen. In Ps. 28:1 ist z. B. fehlerhaft gedruckt:

»Bringt Frauja dar, ihr Götterföhne, …« anstelle »Göttersöhne«, so in der Ausgabe 1928. Da Lanz mengenweise alt– und pseudogermanische Vokabeln zum Leben erweckte, war nicht ganz klar, ob ein ´Götterfohn` als solcher existiert... nein, tut er nicht!


Biogramm:

Dr. Georg "Schurl" Adolf Josef Lanz war ein ehemaliger Zisterziensermönch, der nach dem Muster römisch–katholischer Orden eine Sekte, nämlich den Neutempler–Orden (Ordo Novi Templi ONT), ins Leben gerufen hatte. Lanz war der Sohn einer Frau, vermutlich jüdischer Abkunft (aber nicht bewiesen), namens Hopfenreich oder Hoffenreich. Später wurde er als Schlüsselfigur sinnverwirrender, rassistischer Strömungen in Österreich und Deutschland angesehen. Man sieht in ihm den Mann, der Hitler die Ideen gab. Er gilt als Entdecker des Germanentums und verschaffte sich in Fachkreisen als Rassenforscher und Sexualmystiker einen gewissen Bekanntheitsgrad. Er war aus dem Zisterzienserkloster Heiligenkreuz im Wienerwald, wo er als Bruder Jörg bekannt war, entwichen und hatte die Jüdin Liebenfels geheiratet. Seinen Vater, ein Lehrer aus Wien, machte er er gegen jedes Recht zum "Baron Lanz". Über seine Mutter schwieg er, weil deren Vater (möglicherweise) Jude war. Lanz junior war der Herausgebe der "Ostara"– Hefte für Rassekunde (ab 1905 bis 1918).

https://de.wikipedia.org/wiki/Jörg_Lanz_von_Liebenfels // http://www.antifa-info.at/archiv/lanz.pdf

https://www.mysteria3000.de/2003/von-der-alternativen-sicht-auf-die-geschichte-zum-rassenwahn/ // http://www.heise.de/tp/artikel/35/35341/1.html

(In o. g. Wikipedia- Biogramm steht noch der Name eines Zisterziensterpaters, der ebenfalls Bibel übersetzt hat, Lanzens Novizenmeister war und dessen antisemitische Haltung ihn beeinflußt haben mag: P. Dr. Schlögl,_Nivard.)

Lanz´ Werk ist leider noch nicht im Orkus der Vergangenheit verschwunden, sondern seine rassistischen, antisimitischen und ariosophischen Thesen sind nach wie vor in Buchform zu kaufen. Unter dem scheinbar harmlosen, aber vielsagenden, aus unseligen DC- Zeiten herstammenden Begriff »Deutsche Kirche« kann man sich im Net informieren: ariosophie.de

Der Wiener Katholik Wilfried Daim (1923 – 2016) schrieb 1958 u. ö. ein aufschlußreiches Buch über den Ger-Maniker Lanz: »Der Mann, der Hitler die Ideen gab - Jörg Lanz von Liebenfels. ". Verlag Carl Ueberreuter, Wien; 3., erw. & verb. A. 1994.