Lange, Karl Ernst

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Lange, Karl Ernst (* Meißen, Sachsen 16. Sep. 1887 † 28. Nov. 1959 Wüstenrot- Weihenbronn, Württ.)

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Der Hebräerbrief

(übertragen) und herausgegeben von Karl Ernst Lange

Zürich (Schweiz): © Verlag Rascher & Cie. MCMXLVIII / 1. bis 3. Tausend 1948.

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Von alters her hat GOTT durch die Zeiten hindurch

in der verschiendenartigsten Weise und auch

nach den verschiedenen Richtungen hin in den Propheten

zu unseren Vätern geredet,

jetzt aber in den letztvergangenen Tagen, hat ER

z u   u n s geredet und zwar   in   e i n e m   Menschen,

der wirklich Sein   S O H N   ist.

Diesen   e i n e n   Menschen läßt ER vorbildlich

für alle Menschen vollkommen an Seiner ganzen

HERRLICHKEIT teilnehmen

und macht durch IHN die   Ä o n e n   *!

Dieser   S O H N   ist die   A u s s t r a h l u n g   S e i n e r

H E R R L I C H K E I T   und das in den Stoff hineingeprägte

l e b e n d i g e   A b b i l d   G O T T e s  !

Durch die ausdrückliche Kraft Seines Worte lebt alles;

durch sie wird auch das menschlich- unreine Wesen

von aller Unreinheit gereinigt, die die Sünde mit sich bringt!

A l l g e g e n w ä r t i g   w i r k t   E R   j e t z t   a u s   g ö t t l i c h

v o l l k o m m e n e r   M A C H T   h e r a u s

d e n   W i l l e n   G O T T e s   i n s   A L L   h i n e i n  !

In dieser MACHT überragt ER alle Boten GOTTes und — das ist wahr! —

gerade um soviel, als IHM von GOTT

ein sie alle überragender   N a m e   zuerteilt worden ist!

Kap. 1: 1-4

Reihe: Europäische Bibliothek

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Zum Buch:

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Gebunden in Kleinoktav mit Schutzumschlag, 72 pp. Als Schrifttype ist eine besondere Antiqua verwendet.

Ein Vor- oder Nachwort schreibt Lange nicht; seine Einstellung zum Gott der Bibel macht er jedoch in einer lesenswerten Anmerkung zu Kap. 1:2 *:

»Zum Verständnis dieser Schriftstelle sei gesagt: Es gibt Menschen, deren innerer Einfluß so groß ist, daß sie für andere Menschen (...) auf Jahrzehnte, ja auf Jahrhunderte hinaus bestimmend wirken, die Jahrhunderten ihren Stempel aufdrücken, wie z. B. Moses, Buddha, Konfuzius. Ihre Größe und die Macht ihres Einflusses ist identisch mit der Grösse ihres göttlichen Einflusses, dem sie Raum gewähren. Hier in JESUS CHRISTUS aber steht   d e r   Mensch, de einer ganzen eltzeit, also einem Äon, den Stempel aufdrückt und zwar den einzig wahrhaften, den es gibt! JESUS CHRISTUS ist sozusagen der „Gründer" eines neuen, göttlich wahrhaften Äons! Mit ihm geht eine neue Weltzeit auf, nämlich die Weltzeit, in der die Liebe das leben regiert. ER ist der göttliche Lebensjeim dieses neuen Lebensprinzips inmitten der Finsternis dieser Welt. Von IHM geht also Wirkung aus über äonale Epochen! Er bestimmt den kommenden Äon in seiner Art und damit auch alle folgenden.« 

Die Psalmen

in geistiger Übertragung von Karl Ernst Lange

Wüstenrot - Weihenbronn/ Württ.: Herausgegeben von der Christlich - überkonfessionellen Bruder - und Schwesternschaft von Weihenbronn. o. J. (Ende 1968)

Sigma.gif Wortstimme

1 Der EWIGE, der höchte HERR über alle Mächte,

hat einen   A n s p r u c h   an die Erde über alle Zeiten und über alle Räume hinweg!

2 Aus unendlichem Glanze, aus seiner göttlichen SCHÖNHEIT, aus dem GEISTe der WAHRHEIT heraus tritt Er hervor,

aus heiligem LICHTe heraus spricht Er uns ein Wort zu,

3 ein Wort, in dem Er   s e l b s t   erscheint, mit dem Er das ewige Schweigen bricht!

Dieses WORT ist Seine geheime, höchst erhabene Gewalt, es erschütert uns bis in den Grund hinein und läutert das Wesen duch und durch!

4 Alle Räume der Erde, alle Örter des LICHTs, sie flammen auf in diesem WORT!

Heiliges Gericht ist es! – Wer es zu hören vermag, der höre es an!

So lautet der Ausspruch des ewigen HERRN:

5 „Es sammle sich eine   G E M E I N D E  ,  die im   G E I S T E   der   L I E B E   lebt

Dieses Wort

Unser VATER, der Du in den Himmeln bist!
Durch Zeitalter und Geschlechter hindurch
sucht alles nur Dich, den einzigen, wahren GOTT!

Ehe sich die Gebirge türmten, noch ehe die Erde

in den Sphären kreiste,
noch ehe sich das Geschlecht der Menschen regte,
da warst Du, o GOTT!
Wie Du heute bist, so warst Du da
und wirst sein bis in die Äonen der Äonen!

Deinem heiligen Gesetze zufolge lebt der Mensch im Fleische,

die Erde gabst Du ihm als Freistatt seines Willens!

Du bist es, der ihn wieder zurückruft ins körperlose Sein!

Jahrtausende sind vor dir wie Augenblicke,

in ewig unbegrenzter Ruhe lebst Du zeitlos dahin

in heiligerhabener MACHT!

Ps. 90: 1-4
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Zum Buch:

Daten: In blaues Halbleinen gebunden und fadengeheftet; Kleinoktav, VIII und 316 pp in Antiquadruck. Kapitel- und Verseinteilung ist beibehalten, die 116 Psalm- Überschriften sind nicht enthalten. Wesentliche Worte sind durch Kapitaldruck hervorgehoben.

Das Geleitwort zu diesem seltenen Psalmenbuch schrieb einige Jahre nach dem Tod des Schriftstellers und Künstlers Karl Ernst Lange der Herausgeber Kreuz8.gif Prof. Dr. D. Friedrich Heiler (* München 30. Jan. 1892 † 18. April 1967 München), Marburg, im September 1963. Bemerkt ist darin, daß sich der Druck des Buches länger als erwartet verzögert hat.

In diesem Geleitwort wird unter anderem geschrieben, die israelitischen Psalmbeter und -sänger stünden auf einer Stufe der Frömmigkeit, die vielfach unter der neutestamentlichen läge; ja, Rache- und Fluchpsalmen stünden im schärfsten Widerspruch zur neutestamentlichen Forderung der Feindesliebe. (...) Um diesen Widerspruch zu überwinden, hätte der Gestalter dieses Palters nach dem Vorgang anderer den Versuch einer völligen Transponierung des alttestamentlichen Betens in das neutestamentliche gemacht. (...) Es sei unvermeidlich, daß bei einer solchen Transponierung mancher farbige Ausdruck verblasse, aber der Verlust werde wieder ausgeglichen durch die Einheitlichkeit eines Christentums des Geistes, welches alles Unter- und Widerchristliche abgestoßen hätte. (...) Der Verfasser hätte das unvergänglich wertvolle der Psalmenfrömmigkeit zu bewahren und zugleich zur Höhe des Evangeliums emporgehoben gewußt.

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Konsequenterweise hat "Vater" Lange in dieser »geistigen Übertragung« auch sämtliche Bezüge zu Israel, Jerusalem, Zion und dem Tempelheiligtum im Text unkenntlich gemacht und durch Synonyme ersetzt. Lange hat auch den Inhalt zum Teil beträchtlich erweitert.
Widmung im Buch datiert Weihnachten 1968: 
»Diese Veröffentlichung hatte Vater Lange 
am meisten am Herzen; sie ist gerade erschienen.«
(Damit ist auch die Frage des Erscheinungsdatums geklärt)

Zur Person:

Über KELs Werdegang ist wenig bekannt. Er soll zunächst in Ostdeutschland als Lehrer tätig gewesen sein und hatte große künstlerische Talente als Maler und Grafiker. Seine Bilder blieben gegenständlich mit expressionistischen und auch impressionistischen Gestaltungen in Komposition und Farbe. Nach seiner Suspendierung als Lehrer durch die Nazis arbeitete er als freischaffender Künstler und vermutlich auch als Dozent einer privaten Kunsthochschule in Dresden oder Leipzig. Karl Ernst Lange hatte ein umfangreiches Wissen über die Schriften der Weltreligionen, sah sich aber als Christ. Er hatte schon in den 20er Jahren Kontakt zu Exponenten östlicher Kultur. Von Rabindranath Tagore fertigte er 1926 ausdrucksvolle Rötelzeichnungen, sicherlich in dessen persönlicher Gegenwart. Wohl auch in den 20er-Jahren begegnete er Hossein Kazemzadeh Iranschär, einem iranischen Mystiker und Religionsphilosophen, der eine bedeutende Übersetzung und Kommentierung der Zend Avesta des Zarathustra verfasste.

1930 gründete er in Freiberg in Sachsen eine Vereinigung der „Freunde der geistigen Wiedergeburt“ und gab auch eine periodische Zeitschrift gleichen Namens heraus; diese wurde nach der Machtergreifung durch die Nazis verboten. Danach begründete er in Reichenberg in Sachsen eine Begegnungsstätte „Haus Hochland“. Nach dem Krieg ging KEL in den Westen gemeinsam mit einigen seiner Getreuen aus der Zeit in Freiberg und Reichenberg.

Inzwischen hatte Iranschär in der Schweiz eine esoterische Schule „zur Lehre von der harmonischen Entwicklung und Zusammenarbeit von Geist , Seele und Körper“ gegründet, und zwar in Dagersheim bei St. Gallen. Von dort aus erteilte er KEL den Auftrag und die Vollmacht, in Deutschland eine ähnliche Schule auf der Grundlage von Iranschärs Unterweisungen und Lehrplänen zu begründen.

Karl Ernst Lange suchte mit einigen Schwierigkeiten einen vergleichbaren Ort für dieses Vorhaben und fand schließlich in Wüstenrot-Weihenbronn ein verwaistes gewerblich genutztes Gelände, das er 1952 erwarb und ausbaute.

Er gründete dort die „Christlich-Überkonfessionelle Bruder- und Schwesternschaft vom Heim der Liebe“; dieser Name steht auch für das geistige Programm. Der Verein war klösterlich geprägt. KEL nannte sich „Vater Lange“, seine – wie man heute sagen würde – Lebenspartnerin, Frau Johanna Wagner war „Mutter Wagner“, die übrigen Mitglieder nannten sich „Brüder“ bzw. „Schwestern“ (wobei es sich wohl ausschließlich um Schwestern handelte).

KEL hielt häufig und regelmäßig Predigten, wobei er emphatisch und gebärdenreich sprach. Meist setzte er einen Bibelspruch an den Eingang seiner Ansprache, um dann darüber frei und ohne Vorlage zu sprechen; wie gesagt, inhaltlich von der christlichen Wahrheit kommend, die Nähe der anderen Weltreligionen und deren Wahrheit verbindend.

Es wurde auch eine periodische Schrift herausgegeben, die selbst verlegt und gedruckt wurde und von den Schwestern auf den Marktplätzen von Orten, etwa im Umkreis von 50 km, gegen geringes Entgelt verkauft wurden. (Bedürfnislosigkeit gehörte zu den Ordensregeln, denen sich auch KEL unterwarf – am Ende seines Lebens war sein Verein nahezu illiquide). KEL verstand es immer wieder, Besucher als Gäste seiner Predigten, Andachten und Gottesdienste nach Weihenbronn zu holen; darunter auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, die dann dort ebenfalls referierten. Als er starb, hatte seine eigentliche Idee keinen adäquaten Führer mehr, vor allem nicht sein Ordensprinzip. Trotzdem gelang es, den Verein mit seinem christlich-universellen und auf Völker und Religionen verbindenden Grundgedanken bis heute weiter zu führen. Von den Gründungsmitgliedern lebt keine(r) mehr.

(Diese ausführliche Vita verdanke ich Herrn Ulrich Preisler) http://www.haus-weihenbronn.de/