Löwenthal, Moritz

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Löwenthal, Moritz Moses ben Simcha Knobel לאווענתאל, משה בן שמחה קנאבעל

(* .?. Mem.png .?.) Dr.


Inhaltsverzeichnis

Hiob. ✡ איוב

Praktische Philosophie oder klare Darstellung der im Buche Hiob obwaltenden Ideen;

nebst wortgetreuer, rhythmisch gegliederter Uebersetzung und fortlaufendem Commentar.

Allgemein fasslich bearbeitet von Dr. Moritz Löwenthal. [Hebr.- deutsch]

רעיוני תבונה ואמונה

Frankfurt am Main: im Verlag und auf Kosten des Verfassers 1846. Druck von Benjamin Krebs.

Koph.png Wortstimme

Willst aber Gottes Forschung du auffinden?

oder das Endziel des Allmächt'gen du auffinden?

Himmelhoch! – was willst du thun?

tiefer als die Unterwelt – was weißt du?

länger als die Erde ist ihr Maas,

und breiter denn das Meer!

Wenn Er vorüberfährt und fesselt,

und [Gericht] versammelt – wer will's Ihm wehren?

Denn   E r   kennt die Männer des Frevels

und sieht Laster das man nicht bemerkt.

Aber ein Mann, Tand ist sein Verstand!

und zum wilden Esel wird der Mensch. –

Zophar in Cap. 11: 7- 12 


O, daß doch aufgeschrieben würden meine Worte!

O, daß sie ins Buch gezeichnet würden!

mit Eisengriffel in Blei

für die Ewigkeit in Felsen gehauen!

Aber ich erkenne: Mein Erlöser ist der Lebende,

der als Zukünftiger über den Staub sich erheben werd'!

Und nach meiner Haut, die man zerschlägt, diese da!

Und frei vom Fleisch werd' ich Gott schauen!

den ich schauen werd', mir zum Heil, –

und den   m e i n e   Augen sehn – kein Anderer, –

nach ihm schmachtet mein Inneres in meinem Busen!

Hiob in Cap. 19:23- 27
Bookmitband.gif
Zum Buch: st

Buch in Frakturdruck (für den deutschen Text); XLVII, 206 & (2) S.; Schrifttexte hebräisch / deutsch parallel pro Seite, darunter die sehr reichhaltigen Erklärungen.

Ab S. XI hat Löwenthal das Buch über 36 S. ausführlich eingeleitet.

Der Vefasser schrieb ein sechseitiges Vorwort, datiert Frankfurt, im Juni 1846. Zur Übersetzung schrieb er u. a.:

» Das vorliegende Buch enthält III. eine (rhythmisch gegliederte, aber, wie das Original, nicht rhythmische) dem hebräischen Texte Wort für Wort zur Seite gehende Uebersetzung. Diese soll durchaus keine bloße Verdeutschung, sondern, nach dem Ideale des Verfassers, ein treues Ebenbild des hebräischen Originals sein, Gedrungenheit und Schwere, darum aber auch sehr oft Dunkelheit und Härte desselben wiedergeben. Durch diese nicht bloß sinn- sondern auch wortgetreue Uebersetzung glaubt der Verfasser allen denen, die des Hebräischen nicht ganz mächtig sind, und besonders der heranwachsenden Jugend der Jüdischen Deutschen, die noch, dem Himmel sei Dank, das Hebräische als Urquelle der religiösen Wahrheiten und des geistigen Lebens lieben und verehren, einen wesentlichen Dienst erwiesen zu haben; denn beim ersten Anblicke des hebräischen Wortes hat Jeder (mit wenigen Ausnahmen), sogar der Stellung der Worte nach, sogleich die entsprechende Bedeutung in der zur Seite stehenden Uebersetzung klar vor Augen.« 

Biogramm:

Unser Moritz Löwenthal ist offensichtlich nicht identisch mit dem Mannheimer Geschäftsmann Moritz Löwenthal- Lenel (1811- 1876).

Folgendes wurde bisher recherchiert: ab 1848 amtierte er als Rabbiner im galizischen Lemberg. Davor hatte er sich etwa 15 Jahre in Deutschland aufgehalten, 1846 in Frankfurt am Main (...) » Von 1875 bis 1878 und vom 1. April 1881 bis 1905 war Löwenthal Kultusbeamter in der Synagogengemeinde Groß- Wartenberg/ Oberschlesien; er erhielt ab 1885 auch die Erlaubnis, in Festenberg als Religions- und Sprachlehrer zu wirken. 1905 ging Moritz Löwenthal nach Breslau.«

Löwenthal hielt diverse Fest- und Gedenkreden zu bestimmten Anlässen, die auch schriftlich festgehalten sind. Bekannt wurden z. B. eine solche am Hüttenfest 1848 in Stockholm; am 15. März 1849 im Tempel der fortschreitenden Israeliten zu Lemberg, Galizien; sowie am 9. November 1902 auf dem israelitischen Friedhofe in Kojetein, Bez. Prerau in Mähren.


Abschnitt aus:

Die Kultusgemeinde Groß Wartenberg, Oberschlesien. Von Dr. Lehnsdorf / Karl-Heinz Eisert

Leiter der jüdischen Gemeinde war Kantor Löwenthal. Er stand bei der Bürgerschaft in hohem Ansehen und wurde von allen drei Klassen als Stadtverordneter gewählt. Als solcher trat er vornehmlich im sozialen Bereich auf und erwirkte für die Armen der Stadt manche nötigen Hilfen. Daneben wirkte er im Gesangverein tatkräftig mit, nahm auch an den Kegelabenden des Keglerklubs regen Anteil. Viel Interesse bewies er auch für die Stadtkapelle, die unter Leitung von Herrn Theile stand. Das Fotogeschäft von Hönsch an der Promenade unterstützte er, indem er dahin wirkte, daß es bei Vereinsveranstaltungen Aufnahmen machte.

Als ein Juwel betrachtete Herr Löwenthal die Synagoge, die am Eingang zur prinzlichen Gärtnerei in der Gartenstraße, unweit vom Ring, gelegen war und zu deren Besuch an großen Feiertagen er auch Andersgläubige einlud. Ihnen schilderte er die vorgeschriebenen Handlungen und Gebräuche während des Gottesdienstes, er belehrte auch die Erschienenen, warum Frauen zu dem unteren Teil des Gotteshauses während eines Gottesdienstes keinen Zutritt hätten, sondern auf einer Estrade, einem erhöhten Teil des Gotteshauses, an der heiligen Handlung teilnehmen konnten. Es verdient erwähnt zu werden, daß der Gottesdienst von einem Gesang begleitet wurde, der im wesentlichen in Moll gehalten war und bei den Teilnehmern deshalb einen tiefen Eindruck hinterließ, ähnlich, wie es bei den Bachschen Kantaten der Fall ist.

Abschließend möge festgestellt werden, daß das persönliche Verhältnis der drei Konfessionen in Wartenberg damals ein geradezu Vorbildliches war, immer war man - vor allem dank der guten persönlichen Beziehungen ihrer Leiter zueinander - heiß bemüht, auftretende Differenzen kavaliermäßig zu erledigen und dabei wirkte der Rabbinatsvertreter Löwenthal stets entscheidend mit.