Kowalski, Abraham S

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Kowalski, Abraham Schlomo אברהם שלמה קובלסקי

(* Warschau (Polen), Cheschwan 5660/ Nov. 1899 Mem.png Zürich (Schweiz) 20. Siwan 5735/ 30. Mai 1975) Schochet, Rabbiner


Psalme von König David ספר תהלים

(Hebr./ deutsch) Mit Übersetzung [von Gotthold Salomon]

Herausgegeben von Schochet Abraham S. Kowalski, Zü. durch David= Verlag Basel

Basel/ Schweiz: Verlag zur Verbreitung jüdischen Schrifttums 1943


Koph.png Wortstimme

1. Dem Meister auf dem Saitenspiel.

Eine Unterweisung. Von David. -- --

2. Als die Sifiten kamen und sprachen zu Saul:

Siehe! David hält sich verborgen bei uns.

3. Gott, in deinem Namen rette mich

und in deiner Stärke schaffe mir mein Recht.

4. Gott, höre mein Gebet, horche auf die Worte

meines Mundes.

5. Denn Barbaren stehen auf wider mich,

Wütriche suchen meine Seele,

sie stellen Gott sich nicht vor Augen. Selah.

6. Aber siehe, Gott ist mir ein Helfer,

der Herr ist meines Lebens Stütze.

7. Das Übel kehrt zurück auf die, die auf mich

lauern, in deiner Treue wirst du sie vernichten.

8. Dann spende ich Opfer dir, preise deinen Namen

Gott, der du so gütig bist.

9. Denn aus aller Drangsal hat er mich gerettet,

und an meinen Feinden hat mein Auge Lust geschauet.

Psalm 54
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Zum Buch:

Dieses sehr seltene Exemplar im Format 12° ist anonym, also ohne Übersetzerangabe "in der Schweiz gedruckt". Ein Vergleich zeigt, daß die Übertragung des Hamburger Reformrabbiners Gotthold >Salomon aus 1837 als Vorlage diente. Die Hebraica ließt sich, wie üblich, von hinten; der davon abgetrennte deutsche Text von vorne. Der Buchtitel fällt auf durch das unüblich geschriebene »Psalme«.

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Besonderheit ist, daß Salomons deutsche Übertragung nicht in Fraktur, sondern fortlaufend auf knappen 111 Seiten in Antiqua gesetzt ist; ob dieser Schriftsatz durch den David= Verlag so hergestellt wurde, wäre zu recherchieren. (Die Salomon'sche Bibelausgabe wurde jedenfalls nur in Fraktur gemacht.)

Der deutsche Übersetzungsteil beginnt nicht mit dem Buchtitel, sondern mit einem programmatischen Aufruf: Aufruf zum Weltgebet -- Eine ernste Botschaft an die Menschheit! Unseres Schicksals Wende!

Sehr realistisch beschreibt Kowalski die Schrecken des Krieges, das Überhandnehmen des Bösen, wobei er seine Volksgenossen nicht direkt anspricht, sondern alle seine Leser, die natürlich in der Hauptsache Juden gewesen sein dürften. Die Geschehnisse vergleicht er mit einer zweiten Sintflut. Die Frage, ob das so sein muß, ob dieser Kelch geleert werden müsse, beantwortet er mit einem klaren "Ja"!. Gott gibt durch sein Geschehenlassen diese klare Antwort: Tod, Not, Kummer und Hunger seien Gottes Zuchtruten, da ja die Menschen in ihrer Sünde keine andere Sprache mehr verstehen wollten. Ausführlich wird diese Diagnose an den Leser herangetragen. Überraschenderweise läßt Kowalski dennoch den Ausweg durchklingen: "Die Frage zum Ende lautet: Gibt eine Rettung? Findet solche Not und solches Elend denn kein Ende? Muß der bittere Kelch denn wirklich bis zum letzten Restchen ausgetrunken werden? Gott erbarme dich unser!" Kowalski tröstet: Und Gott wird sich unser erbarmen!

Das vertrauensvolle Beten der Psalmen und das gleichzeitige sich Stellen unter Gottes Schutz wird dazu beitragen, daß Haß und Streit sich in Liebe und verständnissvolles Zusammenleben verwandeln. Endlich schreibt er: "Gott wird uns nicht verlassen, denn sein Wort gilt auch heute noch. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehen wir das Licht. (Ps. 36,10) [Dieser Psalm ist hier nicht nach Salomon, sondern nach Luther, z. B., zitiert.] Durchdrungen von der Hoffnung auf die nahe Gotteshilfe will Kowalski alle Gläubigen aller Konfessionen, Gemeinden, Städte und Kantone vereint im Gebet wissen mit dem himmlischen Aufruf: "Tut Buße und bekehret Euch!" [Hier hat der Zürcher Schochet eine Anleihe bei der Apostelgeschichte genommen und Schimon Kefas Aufforderung zur Umkehr zitiert; ähnlich aber auch Jeremia 31.] Dieser bemerkenswerte Abschnitt ist durch folgende zu Ohren gegebene Worte abgeschlossen: "Betet in der Not -- so hilft Euch Gott. Des Schicksals Wende ist nahe!

Soweit die zu Papier gebrachte Hoffnung des eidgenössischen Juden Abraham Kowalski mitten im 2. Weltkrieg.

Am Ende des Psalmenteils schließen sich drei Gebete an: eines um Erhaltung der Gesundheit, eines um Dank nach überstandener Krankheit sowie ein sogenanntes Weltgebet "Mensch erwache!"

Am Ende des deutschsprachigen Teils betet der Leser das "Sch'ma Jisroel", (5. Mose 6:4) hebräisch & deutsch, das der Schochet in Abänderung des traditionellen Wortlauts folgendermaßen bringt:

»Höre Jisrael, unser Gott wird anerkannt werden von allen Völkern der Erde, als einziger Gott.«

Weiterhin ist ein Zitat des Propheten Zefania 3: 9 angefügt:

»Ja, dann wandle ich den Völkern ihre Lippe zu einer lauteren um, daß sie allen anrufen den Namen des Ewigen, daß sie ihm dienen einmütig.«



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Biogramm:

Abraham Schlomo Kowalski wurde Ende 1899 im polnischen Warschau geboren, hatte dort geheiratet und kam 1920 mit seiner Frau und zwei Kindern als Schochet nach Zürich, betrieb also eine Schlachterei, in der rituell nach den Vorschriften der Kaschrut geschächtet wurde. In Zürich kamen nochmals drei Kinder zur Welt. Abraham Kowalski hatte auch das Rabbinerdiplom und betreute während Jahren jüdische Gefängnisinsassen. Dadurch konnte er gute Beziehungen zu kantonalen Regierungsmitgliedern aufbauen, was anscheinend während des Krieges sehr hilfreich war. --

Als Textvorlage für sein Psalmenbuch besorgte er sich die Übersetzung des Hamburger Reformrabbiners Gotthold Salomon; in der Folge gab es über diese Wahl in der orthodoxen jüdischen Gemeinde Agudas Achim einen heftigen Streit (Orthodox vs. reformiert!). Oben genanntes Psalme- Buch soll in 2000 Exemplaren gedruckt und von Kowalski alleine finanziert worden sein.

Abraham Schlomo Kowalski starb Mitte der 70er Jahre in Zürich. Begraben ist er in Jerusalem.

(Für diese Information (mit Ergänzungen vom Vf.) bin ich René Loeb, Ehrenpräsident der Schweizerischen Vereinigung für Jüdische Genealogie, zu außerordentlichem Dank verpflichtet!)

Der Name Kowalski rührt aus der polnischen Stadt Kowal in der Woiwodschaft Kujawien- Pommern. Nach der Zweiten Teilung Polens von 1793 bis 1807 gehörte es zur Provinz Südpreußen; während der deutschen Besatzungszeit 1939- 45 wurde der Ort in »Freistadt« umbenannt und war dem Landkreis Leslau (Reichsgau Wartheland) zugeordnet. Möglicherweise stammten die Kowalskis ursprünglich aus dieser Stadt.

Weitere Informationen über Kowalskis Schlachterei etc.:

JÜDISCHE GENOSSENSCHAFTSMETZGEREI "MACHSIKEJ-EMUNOH". NACHF. ABRAHAM S. KOWALSKI.

St. Jakob Str. 56, 8004 Zürich. Eingetragen 25. Februar 1931

(Auszug aus: Wirtschaftsinformationen by Orell Füssli:)

Weiterhin existiert im Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich ein Hinweis über eine Sekretariatsakte »Auseinandersetzung zwischen Abraham Kowalski (Schochet) und der Jüdischen Gemeinde Agudas Achim betr. Anstellung in der Genossenschaftsmetzgerei« [im Zeitraum] 1948 - 1956.

Laut einer Antiquariatsnotiz veröffentlichte der Dawid Verlag zwischen 1940 und 1945 nur zwei Titel: Das Psalme- Buch und eine hebräisch / deutsche Torahausgabe (siehe unten!). Wer immer mit weiteren Rechercheergebnissen - vor allem zum David Verlag - einen Beitrag leisten kann, der melde sich bitte beim BB!! Danke!


Aus diesem bis dato unbekannten "David - Verlag" ist noch ein weiterer Titel "aufgetaucht", über den zur Zeit folgendes bekannt ist:

¶ Pentateuch (mit Haftoroth)*

Basel: David-Verlag, Verlag zur Verbreitung jüdischen Schrifttums 1943.

Hebräisch-Deutsch. 340 Doppelseiten und Anhang bis 520, [4] S. (Kommentar in Hebräisch). Ln.

In der Übertragung von *Leopold Zunz. "Jüdisch - deutscher Auswanderer- Chumasch / German- Jewish Refugee Pentateuch"

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Zum Buch::

Torah samt Haftoroth in hebräisch und deutsch. Die unpaginierten Seiten: Melodie der Lobsprüche nach der Haftarah.

[Anzeige aus einem Antiquariat; (der Titel war aber schon abverkauft)]

Daten: Halbleinenband, 8vo. [4], 520, 340, [4] S. Mit Stempel "Gedruckt in der Schweiz" auf erster und letzter Seite

Aus dem Vorwort: "Das Wort, das dem Moses am Sinai verkündet wurde, hielt das Volk aufrecht in glücklichen und fast noch mehr in schweren Zeiten. Die früheren Zentren jüdischer Bildung und jüdischer Kultur in Europa sind zerstört, und den wenigen, die noch frei schaffen können, obliegt die Pflicht, die unvergänglichen Geistesgüter des Judentums zu neuer Geltung zu bringen. Gemäß dem Wort, das das Studium der Gotteslehre für größer und wichtiger als alle übrigen heiligen Pflichten bezeichnet, hofft der Verlag, daß die vorliegende Neuausgabe sich die Sympathie aller fest an der Thora haltenden Glaubensbrüder erringen wird."

Eine Antiquariats– Information zum Buch:

»Original Leinen mit hebräischem Rücken- und deutschem Deckeltitel.], [PU: Basel: David-Verlag. Verlag zur Verbreitung jüdischen Schrifttums. 1943.], (3) S., 340 Blatt, (5) S., S.345-520,(4) S. Original Leinen mit hebräischem Rücken- und deutschem Deckeltitel. Hebräisches Titelblatt, deutsches Vorwort, der Pentateuch hebräisch und in deutscher Übersetzung. Gefolgt von Haftarot, nur in hebräischer Sprache. Zum Schluß 4 Seiten mit Noten: Die Betonungsart der Akzente und die Melodie der Lobsprüche nach der Haftarah. - Aus dem Vorwort: "Die früheren Zentren jüdischer Bildung und jüdischer Kultur in Europa sind zerstört, und den wenigen, die noch frei schaffen können, obliegt die Pflicht, die unvergänglichen Geistestümer des Judentums zu neuer Geltung zu bringen... Basel, im Juni 1943/5703.«