Jonat, Friedrich Karl

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Jonat, Friedrich Karl (* Neustadt, Westpreußen 30. Dez. 1902 † 9. April 1955 Greifswald, Mecklenburg)

Dieses Alte Testament ist etwas Besonderes in der deutschsprachigen Bibellandschaft, hat sich doch der protestantische Pastor F. K. Jonat anfangs der dreißiger Jahre des letzten Jahrhundert ermutigt, die jüdische Bibel zu verdeutschen. Soweit nachzuvollziehen, war er der einzige Christ, der diese Heilige Schrift ohne das Neue Testament zur Veröffentlichung brachte, zudem noch, als das Dritte Reich bereits angebrochen war. Weiterhin ist eine Besonderheit, daß hier auch der hebräische Kanon, d. h. dessen Abfolge der Bücher, zum Einsatz kam. Da die Übersetzung sehr formal ausfiel betreffs der Verdeutschung der hebräischen Verben und Tempi, war sie bei Theologen und anderen Rezensenten zum Teil harscher Kritik ausgesetzt (siehe unten). Jonat hat nichtsdestoweniger außerordentlichen Mut bewiesen, uns diese Perle zu hinterlassen. Soweit bekannt, mußten beide Bände einer weitreichenderen Popularität entbehren. Wer las denn während der Zeit der großen Judenfeindschaft schon deren heiliges Buch...?!


Die Heiligen Bücher des Alten Bundes

In deutscher Übersetzung und mit Anmerkungen von Friedrich Karl Jonat

Braunschweig, Nieders.: Hellmut Wollermann Verlagsbuchhandlung (W. Maus)

Erster Band: Die historischen Bücher

Braunschweig: wie oben. 1934

[- enthalten:]

Das Gesetz, Jehoschua, Helden- Richter, Ruth, Samuel, Könige, Tagesgeschichten (von Adam bis Kurusch), Ezra-Nehemia, Esther

Koph.png Wortstimme

Es gibt keinen, der wie der Gott des Wahrheitsfreundes!

Er fuhr über den Himmel als deine Hilfe dahin,
fuhr über die Wolken in seiner Erhabenheit dahin.

Eine Zufluchtsstätte war der von Ur an lebende Gott,

er war unter Armen von ewiger Kraft am Werk,
er vertrieb den Feind vor dir her
und sprach »Vertilg!«

Israel wohnte ohne Sorge,

abgesondert an einer von Jakob gegrabenen Quelle
in einem Lande, das reich an Getreide und Most;
und dein Himmel träufelt Tau.

Heil dir, o Israel! Wer ist wie du,

ein Volk, das durch den Ewigen befreit,
den Schild deiner Hilfe,
das Schwert deines Triumphs!
Für dich sollen sich deine Feinde verleugnen,
doch du sollst vorwärtsschreiten auf ihren Höhen!"
Gesetz V, 33:26-29
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Zum Buch:

Daten: Gebunden mit SU; Oktavband; 820 pp.. Frakturdruck. - Statt eines Vorwortes wird P. Feine, »Kirche, Heilige Schrift, Evangelium«, 1933 S. 10 zitiert: (...)

F. K. Jonats AT ist Prof. Eduard >König, seinem Lehrer, nicht nur gewidmet, sondern Königs Exegese und Sprachkenntnis werden in den Fußnoten durchgängig herangezogen. Das führt zur Annahme, dass Königs Kompetenz führend hinter Jonats Werk steht, was ihm sowohl Anerkennung als auch Kritik einbrachte. Beispielhaft seien hier zitiert: Jonat wird als "ein leidenschaftlicher Übersetzungskünstler" gepriesen, was das Werk "so fabelhaft lebendig und zeitgemäß (macht)". So ein Zitat einer Rezension aus o.g. Kurzbiographie.

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In einer anderen Buchbesprechung von 1936 liest man: "Es bedeutet schon etwas Großes, und es gehört darum viel Mut dazu, wenn man sich daran macht, das Alte Testament ins Deutsche zu übersetzen...Der Wortsinn der hebräischen Sprache ist mit unbedingter Genauigkeit wiedergegeben. Darin liegt die Stärke des Buches. Aber auch die einzige ... Nein, das Buch Jonats ist keine Sprache, sondern eine unsagbar gequälte "Schreibe" ... Gesamturteil ... schade, daß soviel Kraft und Mühe in ein verunglücktes, ja von vorneherein unmögliches Werk gesteckt wurde." (Hermann Kappner im "Quatember".)

Jonat übersetzt das Tetragramm mit "Jahwe" und "der Ewige", was manche Leser dazu verleiten mag zu vermuten, es handele sich um eine jüdische Übersetzung. Der Urheber des Begriffs "der Ewige" war jedoch der französisch- schweizerische Reformator Jean Calvin.


Zweiter Band: Die rhetorischen Bücher ✡ Die didaktischen Bücher ✡ Die poetischen Bücher

Braunschweig: wie oben. 1934

[- enthält:]

Die rhetorischen Bücher

Der ältere Obadjahu, Amos, Hosea, der ältere Zacharjahu, der ältere Jesajahu, Michja, Nachum, Jirmejahu, Joel, Chabackuk, Zephanjahu, der jüngere Zacharjahu, der jüngere Obadjahu, Jechezkel, Der jüngere Jesajahu, Chaggaj, der jüngste Zacharjahu, Maleachja)

Die didaktischen Bücher

Jona, Daniel

Die poetischen Bücher

Lobgesänge, Sprüche praktische Lebensweisheit von und für Salomo, Das Jjjob-Gedicht, Elegien auf das zertrümmerte Jerusalem, Liederperle, Der Prediger (Gemeindesprecher)

Koph.png Wortstimme

Ein Gebet Moses, des Sklaven der Gottheit.

Allherr, du, du warst eine Zuflucht für uns in Geschlecht auf Geschlecht!

Ehe Berge geboren waren und du mit Dasein beschenktest die Erde, besonders den bewohnten Erdkreis und sogar von Ewigkeit wie auch bis in Ewigkeit, warst du, Gott!

Dabei ließest du jeden Sterblichen zu Müll zurückkehren

und sprachst: „Kommt wieder, Menschenkinder!"

Denn tausend Jahre waren und sind nach deinem Urteil gleich dem gestrigen Tag, der vorüberging, und sogar gleich einer Nachtwache.

 Lobgesang 90
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Zum Buch:

Daten: Gebunden mit SU; Oktavbände; 774 pp. Frakturdruck.



Biogramm:

Friedrich Karl Jonat, aus evangelischem Haus in Neustadt, Provinz Westpreußen nahe Danzig geboren, erhielt 1919 eine missionarische Ausbildung bei der Gossnerschen Missionsgesellschaft in Berlin. Er war dann aber Vikar im Pfarrdienst in Wensau, Bezirk Bromberg. Nach Beendigung seiner theologischen Ausbildung in Posen wurde er 1928 ordiniert. Von 1934 bis 1945 war er Pfarrer in Tremessen bei Gnesen, Bezirk Posen. Nach der Flucht in den Westen lebte die Familie in Wittstock/ Dosse. Ab 1948 bekleidete er die Pastorenstelle an der St. Marienkirche im mecklenburgischen Friedland. Dazu war er von der unierten evangelischen Kirche zur Evangelisch- Lutherischen gewechselt. Er starb in der Uni- Klinik in Greifswald; beerdigt wurde er in Friedland.

Durch seine Korrespondenz mit dem emerierten Hochschullehrer Prof. Dr. Eduard König wurde er zum Sprach- und Quellenstudium der hebräischen Bibel angeregt. Bei jüdischen Geschäftsbesitzern seiner alten Heimat hatte er seine hebräischen Sprachkenntnisse vervollkommnet. (aus der Biographie von Prof. F. Krause, Neustrelitz: 2005)