Hieber, Kastulus

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Hieber, Kastulus (* München 1761 † 18. Aug. 1810 Ingolstadt, Obbay.) Pater OFM

Versuch einer Uibersetzung der Psalmen Davids

aus dem hebräischen Grundtexte zur Beförderung der Anbethung Gottes im Geiste und in der Wahrheit,

als Gebeth= und Unterrichtsbuch eingerichtet und übersetzt von P. Kastulus Hieber.

Ingolstadt, Oberbay.: bei Alois Attenkover 1810

Bischöfliche Gutheißung: Ordinariat Eichstätt o. J. (1810)
Koph.png Wortstimme

1. Dem Sangmeister. Ein Psalm Davids.

2. Die Himmel erzählen Gottes Herrlichkeit, und des Himmels Feste verkündigt seiner Hände Werk.

3. Ein Tag rufet dieß dem andern zu, und eine Nacht giebt der andern diesen Unterricht.

4. Es giebt keine Sprache und keine Mundart, worin man nicht ihre Stimme verstehet.

5. Ihr Schall tönt durch den ganzen Erdkreis, und ihre Worte bis an der Erde Gränzen.

6. „Der Sonne hat er ihr Gezelt hingestellt“, und sie tritt aus selbem, wie ein Bräutigam aus seinem Schlafgemache, hervor: frohlockend geht sie hervor, wie ein Riese, fortzulaufen auf ihrer Bahn.

7. Ihr Kreislauf erstreckt sich von einer Himmelsgränze bis zur andern hin: Niemand kann sich vor ihrer Hitze verbergen.

8. Rein ist des Herrn Gesetz, Seelen bekehrend: wahrhaft ist des Herrn Zeugniß, welches den Kleinen Weisheit giebt.

9. „Die Gebote“ des Herrn sind rechtschaffen, sind Wonne für die Herzen: das Gesetz des Herrn ist lichtvoll, und erleuchtet die Augen.

XVIII. Psalm ´Coeli enarrant gloriam Dei &c.` 
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Zum Buch:

Übersetzt sind alle 150 Psalmen aus dem Hebräischen, gezählt jedoch nach der Vulgata.

Frakturdruck, XVI, (16) & 304 Seiten. Psalmtexte versweise abgedruckt, die Psalmüberschriften hat Hieber übersetzt, Textanfänge in Latein überschrieben.

In der "Vorrede und Einleitung", leider undatiert und unverortet, kritisiert Hieber die Gebetspraxis seiner katholischen Zeitgenossen: "Aber ach! wie ist es leider [das Gebet, d. Vf.] bei den meisten Christen zu einem mechanischen Lippengebeth herabgesunken, welches ohne Teilnahme des Herzens gedankenlos herabgesprochen mehr eine fromme Täuschung, als Gebeth, genannt zu werden verdient. Es dürfte also keineswegs überflüssig seyn zur Beförderung der Anbethung Gottes im Geiste und in der Wahrheit die Psalmen Davids, welche in allen Umgebungen des Menschen die herrlichsten, rührendsten und von Gottes heiligem Geiste eingegebenen Gebether [sic!] enthalten, aus dem hebräischen Texte, in welcher Sprache sie verfasset wurden, zu übersetzen und zum praktischen Gebrauch nach den Bedürfnissen der Zeiten und Umstände anpassend einzurichten."


»Mit Nr. 2. [K. Hieber, "Psalmen Davids", d. Vf.] wird man um so eher zufrieden seyn, je weniger Schriften dieser Art mit so viel Sprachkenntniss und Geschmack aus Franziskaner Conventen zu kommen pflegten. Zwar finden sich in der Sprache auch noch Provinzialismen, wie Gebeter u.s.w. Doch ist der Ausdruck im Ganzen rein und so viel möglich dem Originale angemessen. Rec. kann zwar in die letztere Beurtheilung hier nicht eingehen, doch muss er dem Vf., so weit er seine Uebersetzung damit verglichen, das Zeugniss geben, dass er nicht unvorbereitet ans Werk gieng. Zwar beruft er sich in den wenigen vorkommenden Anmerkungen vorzüglich nur auf die Vulgata, die Kirchenväter und einige Ausleger seiner Kirche; doch bemerkt man bald, daß ihm auch andre, neuere nicht unbekannt waren, wenigstens glaubt Rec., der Paulus, Knapps, Mendelssohns und einige andre Bearbeitungen der Psalmen nachgeschlagen hat, hin und wieder Spuren davon bemerkt zu haben. Obgleich in dem deutschen Brevier von Dereser schon sehr schöne Uebersetzungen der Psalmen stehen und auch in der von ihm fortgesetzten Uebersetzung der von Brentano angefangenen deutschen Bibel die katholische Kirche nun bald die ganze Sammlung der heil. Schrifen einer würdigen Gestalt besitzt: so hat sich Hr. Hieber, da diese doch nicht allen zugânglich sind, durch diese Uebersetzung der Psalmen nicht nur zur Beförderung der Erbauung, sondern auch um manchen gelehrten Katholiken Verdienst erworben.«

(Quelle: »Allgemeine Literatur-Zeitung, Bände 3-4 (1810), S.536)


Zur Person:

»Der hochwürdige Herr P. Kastulus Hieber, Guardian und Oekonom im Franziskanerkonvent Nr. 1, 49 Jahre alt, gestorben an der Wassersucht.« (Quelle: Königlich-baierisches Ingolstädter Intelligenzblatt, Band 9, 1810.)