Herder, Johann Gottfried

Aus Bibelpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hauptseite · Übersetzungen · Übersicht Psalmen · Autoren/Titel · Gesamtausgaben · Einzeldarstellung · Bibliographie & Ex Libris
A · B · C · D · E · F · G · H · I · J · K · L · M · Schiboleth · N · O · P · Q · R · S · T · U · V · W · X · Y · Z


Kreuzschwarz.gif
Herder, Johann Gottfried von (* Mohrungen, Ostpreußen 25. Aug. 1744 † 18. Dez. 1803 Weimar, Thüringen)
Herder'94.png




Lieder der Liebe

Die ältesten und schönsten aus dem Morgenlande. Nebst vier und vierzig alten Minneliedern.

Herausgegeben von Johann Gottfried Herder. Mit einem Nachwort von Regine Otto

(Leipzig: in der Weygandschen Buchhandlung 1778. Erste Aufl.)

Zürich (Schweiz): Manesse Verlag 1992, (Manesse Bücherei # 46); hier: Neudruck o. J. (2003)

Koph.png Wortstimme

"Ein Siegel präge mich auf dein Herz,

Ein Siegel auf deinen Arm!

Denn stark, wie der Tod, ist Liebe;

Ihr Eifer hart, wie die Höll.

Ihre Kohlen glühende Kohlen,

Flamme des Herrn.

Viel Wasser mögen nicht aus sie löschen die Liebe,

Und Ströme sie nicht ersäufen,

Und gäb' ein Mann auch Haus und Gut um Liebe;

Sie verschmähn, sie verachten ihn."

Kap. 8 


Bookmitband.gif
Zum Buch:

Inhalt des Buches: (Kleinoktav, 176 Seiten, gebunden)

I. Salomons hohes Lied (samt Erläuterungen)

II. Über den Inhalt, die Art und den Zweck dieses Buchs in der Bibel.

III. Von Uebersezungen desselben, insbesonderheit Einer in alten Minneliedern.

Editorische Notiz. Nachwort.

Vom Geist der Ebräischen Poesie

Eine Einleitung für die Liebhaber derselben und der ältesten Geschiecht den menschlichen Geistes. [Von] Johann Gottfried von Herder

(Deßau, Anhalt: auf Kosten der Verlags-Kasse, und zu finden in der Buchhandlung der Gelehrten, [erste Ausgabe] 1782/ 83)

(Leipzig, Sachsen: Joh. Philipp Haugs Witwe, [zweite Ausgabe] 1787)

Leipzig, Sachsen: Verlag von Johann Ambrosius Barth.

Dritte rechtmäßige, sorgfältig durchgesehene und mit mehreren Zusätzen vermehrte Ausgabe. 1825, von Dr. Karl Wilhelm Justi

Koph.png Wortstimme

"Wie bist du gefallen von Himmel, du Morgenstern!

Aurorens Sohn!

bist hin zur Erd' geworfen,

der Völker niederwarf.

Du sprachst in deinem Herzen: „ich will zum Himmel hinan!

„Ueber die Sterne Gottes erhöh' ich meinen Thron!

„ich werd' hoch auf dem Berge der Götter thronen

„im höchsten Nord.

„Ueber der Woken Höhen steig' ich auf!

„ich werde gleich seyn dem Erhabensten!" — —

Zur Hölle nieder wirst du gestürzt

ins tiefe Grab.

Und die dich sehen, blicken hin auf dich,

schaun auf dich nieder:„ Ist das der Mann,

der zittern machte die Erde,

der Königreiche erschütterte?"

aus Theil 1: Jes. 14


"Gesang Mose, des Mannes Gottes.

Herr! unser Bleiben bist nur du

von Geschlechte zu Geschlecht!

Eh' Berg' erzeuget wurden,

eh' sie die Erd', der Erdenkreis gebahr,

von Urwelt bis zu Urwelt bist du Gott ª)!

Den Menschen läßt du kehren in den Staub,

und sprichst: kehr wieder, neu Geschlecht der Menschen!

Denn tausend Jahre sind in deinen Augen,

wie der vergangene gestrige Tag,

wie ein Theil der Nacht."

_____________________________________

ª) In allen Seklen der Vergangenheit bist du, Herr, gewesen.

aus Theil 2: Ps.90

Erster Theil / Zweiter Theil


Bookmitband.gif
Zum Buch:

Auflageninformation: Als die Dessauer Gelehrtenbuchhandlung, wo die Schrift 1782 zuerst erschienen war, einging, wurde das Buch von Johann Philipp Haugs Wittwe in Leipzig käuflich erworben und 1787 neu herausgegeben. Ein geplanter dritter Teil kam nicht zustande.

In dieser wegweisenden literaturhistorischen Abhandlung will der protestantische Theologe Herder »eine umfassende Geschichte der hebräischen Literatur schreiben. Er plant einleitend den hebräischen Geist genetisch verständlich zu machen aus dem Bau und Reichtum der hebräischen Sprache, den kosmologischen Urvorstellungen der Hebräer und der Patriarchengeschichte.« Der ausgeführte Teil der Geschichte der hebräischen Literatur bricht "mit der Aussicht auf die Propheten-Dichtung ab". Neu in Herders Darstellung ist, daß es ihm gelingt, Poetisches im Alten Testament poetisch verständlich zu machen.

Biogramm:

Geboren im westlichen Ostpreußen zwischen Elbing und Allenstein als Sohn eines Kantors und Schullehrers, Verheiratet mit Karoline Flachsland, die ihm geistig ebenbürtig war.

Herder.png

Gestorben in der thüringischen Stadt der Dichter und Denker, Weimar.

Nach anfänglichem Studium der Medizin beginnt er in Königsberg mit dem Theologiestudium. In seinen Bann zogen ihn Kant und Hamann. Unter dem Einfluss von Hamann wendet er sich von der Aufklärung ab. In Riga (1764-69) als Lehrer und Domprediger begegnen ihm die Völker und Sprachen des Ostens. Nach einer gescheiterten Seereise kommt er nach Straßburg. Dort schreibt er seine berühmte Schrift „Über den Ursprung der Sprache“. Hier begegnet er auch Goethe. Diese Begegnung führte ihn zu einem völlig neuen Verständnis der Poesie, der Sprache als ursprünglichen Wesensausdruck menschlich-geschichtlichen Lebens, des Volksliedes und der Bibel besonders des AT. In Bückeburg, wohin er als Hofprediger berufen wurde, entdeckt er die Bibel neu als Kraftquelle des Glaubenslebens. Die Übersetzung des johanneischen Begriffs „logos“ als „Tat“ bei Goethe geht auf ihn zurück. 1776 wird er auf Betreiben Goethes nach Weimar als Generalsuperintendent berufen.In der Weimarer Zeit sind besonders hervorzuheben „Vom Geist der hebräischen Poesie“.Seit der italienischen Reise verschärft sich der Gegensatz zu Goethe immer mehr.

Herder ist einer der wenigen Theologen der Neuzeit, die sich einen bedeutsamen Platz in der allgemeinen Literatur- Philosophie- und Geistesgeschichte erworben haben: Herder ist auf vielen Gebieten der Anreger gewesen.

Er hat den Geist, die geschichtliche Situation und die Bildersprache der Bibel in neuer Weise in ursprünglicher Lebendigkeit erfasst. Die Poesie des AT, besonders der Psalmen, hat er kongenial gedeutet.

Herders Bedeutung für die Theologie ist deshalb schwer zu kennzeichnen, weil der große Einfluss Schleiermachers auf die neuere Theologiegeschichte seine Bedeutung in den Hintergrund treten ließen.
Er verstand sich nicht nur als Lehrer religiöser sittlicher Gesinnung im Dienst von Kirche, Staat und Gesellschaft sondern als der Mann Gottes, als Diener am göttlichen Wort.