Grütter, Friedrich Adolf Max

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Grütter, Friedrich Adolf Max "Friedrich Kreuznam" (* nahe Marienwerder, Westpreußen ?, 8. Juli 1889 † 1. August 1963 Karlsruhe, Baden)



Das Evanglium als deutsches Kunstgut

Eine Evangelien-Harmonie von Friedrich Grütter

Nürnberg, Mittelfr.: Deutsche Bibelgesellschaft o. J. (1946) Auflage 5000

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"Im Anfang schon sprach sinnvoll sich die Welt aus,

Und Sinngehalt der Welt allein in Gott lag,

Und Gottes Sein war selbst die Sinnaussprache;

Sie lag bei Gott alleine nur zu Anfang.

Gemacht ward jedes Ding im Sinnspruch Gottes,

Und ohne ihn ward nichts, das da gemacht ward.

In ihm alleine nur ruhte das Leben,

Und immer war das Leben Licht der Menschen.

Doch leuchtete das Licht hinein ins Finstere,

Die Finsternis aber hat's nicht begriffen."

Prolog des Evangelisten. Der Sinn der Welt 
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Zum Buch:

Der gebundene Kleinoktavband ist fadengeheftet und umfasst 292 S. in Antiquadruck. Paraphrasierung einspaltig abschnittsweise gesetzt, weder Kapitel– noch Versnummerierung.

Ein siebenseitiges Vorwort schrieb Grütter anlässlich des 197.Geburtstages von J. W. Goethe am 28. Aug. 1946 in Erlangen, obwohl er zu jener Zeit noch in Berlin residierte. Das Vorwort beinhaltet eine Apologetik seiner religiösen Anschauung hinsichtlich des Evangeliums von Jesus Christus. Grütter beschreibt wortreich und engagiert seinen Weg vom Dornengestrüpp der sog. theologisch- kritischen Forschung über die Schalanalyse (siehe Jeremias,_Johannes) und Apophtegmatenphantasien "gläubiger" Theologen bis zu den Hohnsarkasmen eines Friedrich Murawski (* 1898 † 1945, römisch-katholischer Priester und Nationalsozialist im Rang eines SS- Hauptsturmführers) gegen die "Ergebnisse" rein analytischer theologischer Quellenkritik.

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Am Ende versteht er: Nie und nimmer kann die reine positivistisch- historische Forschung zum Ziel einer aus den Evangelien zu schöpfenden Biographie des Lebens Jesus' führen; positiv sei nur der Weg der gälubig schauenden Gestaltung: "Mein Bestreben war, in dem möglichst schönsten, innerlich harmonischen Gewande, das einer solchen Urkunde Gottes an die Menschen zusteht, die heiligen Quellen, von denen hier nichts unterschlagen ist, zu bieten." Unter neun Überschriften mit insgesamt 123 Kapiteln ist der Evv.- Text in kolometrisch gesetzten Sinnabschnitten (in Antiqua) gedruckt. Diese Überschriften finden sich im Anhang in einem Inhaltsverzeichnis. Darauf folgen "Fundorte sonst anders bezeichneter oder anders angereihter Stücke" alphabetisch. Diese Verzeichnisse müssen fehlende Angaben über Kapitel- und Versfundstellen ersetzen. Das ist auch der größte Nachteil des Buches: Hinweise innerhalb des Bibeltextes auf die Quellen fehlen vollständig. Mit dichterischer Großzügigkeit ist außer dem blanken Schrifttext nichts weiter vorhanden. Eine Lektüre der poetisch leicht verfremdeten Text lohnt sich jedenfalls; den Anspruch "leicht lesbar" erfüllt diese Üs nicht.

Am Schluß des Buches findet man noch einen Lebenslauf des Verfassers. Eine konfessionelle Zuordnung des Bekenntnisses des Dichters ist evtl. anhand des Verlagsorts des Buches möglich: Die Nürnberger Bibelgesellschft G.m.b.H. druckte 1946 auch ein Luther- NT.

Biogramm:

Friedrich Adolf Max Grütter, Germanist, Philosoph, Theosoph; 1889 in Westpreußen südl. Danzig (?) als Sohn eines Volksschullehrers und Botanikers geboren, absolvierte das humanistische Gymnasium zu Marienwerder, studierte Germanistik und Philosophie in Königsberg, Straßburg, Berlin, Bonn, Göttingen. Er war Kriegsteilnehmer von 1914 bis 1918. Danach arbeitete er als Verlagsmitarbeiter in München, als Pädagogiumslehrer in Mecklenburg und als Abteilungsleiter der staatlichen Flüchtlingszentrale in Frankfurt a.O. Ab 1924 in Frankfurt a.O., ab 1926 in Berlin als Privatlehrer und Schriftsteller tätig. Von den Nazis 1933 wegen offenem religiösen Widerstand gegen den Hitlerschen Zwangskirchenkurs in mehreren Heilanstalten interniert; erst 1940 freigelassen. Zwei Jahre versuchte er sich als kaufm. Angestellter, wurde aber bereits 1942 wieder mit Internierung bedroht, weil er sich kritisch gegenüber den Herrschenden geäußert hatte. Nach einem mißglückten Fluchtversuch in die neutrale Schweiz ein Jahr Gefängnis und bis zum Kriegsende Sicherungsverwahrung.

Von 1945-1951 in Erlangen freiberuflich schriftstellerisch tätig: Übersetzungen aus mittelalterlichen lateinischen Kodizes und französischer Lyrik. Es entstehen weitere Dramen, die sich ebenfalls mit den gleichen sozial-ethischen Themen auseinandersetzen, wie sie der schöpferische Mensch in immer wieder veränderter Gesellschaft ähnlich erlebt. Astrologische Forschung, darunter Aufsätze zum Nürnberger Tribunal werden erarbeitet. Ab 1951-1963 in Karlsruhe ansässig. Das Evangelium kann man auf der Webseite "friedrich-gruetter.de" als pdf- Datei lesen bzw. drucken.