Goldschmidt, Josef

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Goldschmidt, Josef Israel (* Bering (od. Berien), Kom. Tolnau (Ungarn) 20. Mai 1849 Mem.png 13. Sep. 1924 Offenbach am Main) Rabbiner Dr. phil.


❡ Die Poesie der Gebete Israels

Das Gebetbuch der Synagoge in poetischer Uebertragung von J. Goldschmidt

Mainz am Rhein: Joh. Wirth'sche Hofbuchdruckerei 1901.

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Zum Buch:

Dieser Titel ist im BB nicht vorhanden.

Israel's Gebete תפלת ישראל

Das Gebetbuch der Synagoge in poetischer Verdeutschung von J. Goldschmidt (hebr./ deutsch)

Mainz am Rhein: Joh. Wirth´sche Hofbuchdruckerei. Zweite Auflage 1902.

Koph.png Wortstimme

תפילה למושה

Ewiger, in Deinen Sternen=Höhen:

Du bist uns´re feste Zuversicht!

Wir, wir Menschen altern und vergehen,

Du, o Gott, Du welkst und alterst nicht.

Stolze Berge, die zum Himmel streben,

Erd´ und Welten wurden in der Zeit . . .

Du, o Gott, der ihnen Sein gegeben,

Bist von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Unser Leben ist ein schnelles Wandern,

Bald der Tod die Reise unterbricht;

Ein Geschlecht stirbt hin, Du sprichst zum andern:

Adam´s Kinder, jetzt kommt ihr an´s Licht!

Tausend Jahre, welche lange Kette!

Deinem Aug´ sie wie ein   T a g   erscheint,

Eine   N a c h t  , die, in des Zeitstroms Bette,

Flüchtig sich der Ewigkeit vereint.

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Zum Buch:

Vorliegendes Buch ist ein "Siddur", ein Gebetbuch für Wochentage und Sabbate; dieses Gebetbuch ist für den Raum Offenbach a. Main und Frankfurt am Main bestimmt. Obwohl in Offenbach die hebräische Buchdruckerkunst Tradition hatte, wurde der Siddur in Mainz gedruckt. Innerhalb dieses Siddur sind eine Reihe von Psalmen rhythmisch bzw. poetisch übertragen.

Rabbiner Goldschmidt hat auch das Vorwort zur ersten Auflage hier mit abdrucken lassen; er verfaßte es während seiner Amtszeit als Rabbiner in Offenbach a. M. im Juli 1901, formuliert als Abschiedsgruß an Ada, seine »frühverklärte Tochter, in Liebe über's Grab hinaus«.

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Der Offenbacher Rabbiner bezeichnet seine Arbeit nicht als eine rein exegetische, sondern als eine homiletische, welche in erster Linie die religiös erbauliche, die belehrende Seite im Auge hat. Die Übersetzung will das Impressionistische geben, die das Gebet auf den Leser zu machen geeignet ist. Das gilt auch für die poetische Übertragung der Psalmen, die sich dennoch möglichst eng an den hebräischen Wortlau hält.

Im Vorwort zur zweiten Auflage, datiert ebenfalls zu Offenbach a. M., September 1902, schreibt Goldschmidt, nicht nur die Druckfehler seien verbessert, sondern auch eine genauere Wiedergabe des Originaltextes in der poetischen Übertragung sei erstrebt.

Buchdaten: Oktavband, Leinen, XVI, (ב) und 388 Doppelseiten in Frakturdruck (betreffs des Deutschen). Alle Texte sind gerahmt.

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Folgende 54 Psalmen sind innerhalb dieses Gebetbuches übertragen (nach der Reihe ihres Erscheinenes innerhalb des Siddur!):

16 - 19 - 20 - 24 - 29 - 30 - 33 - 34 - 48 - 49 - 67 - 81 - 82 - 83 - 90 bis 99; 104 - 114 bis 118; 120 bis 136; 144 bis 150. Weiterhin u. a. 2. B. Mose 14: 30f; 4. B. Mose 15: 33f; Sprüche 31; außerbiblisch die Vätersprüche (Pirke Avoth)

Der 136. Psalm ist übrigens in May,_Benjamin_&_Levy,_Josef_Benjamin´s kleines Psalmenbuch aufgenommen worden. Siehe dort!



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Biogramm:

Der zuerst orthodoxe, später liberale Josef Israel Goldschmidt studierte an den Jeschiwot von Tabau Kom. Schomodei (Ungarn), Jink Kom. Tolnau (Ungran), Hedjeß Kom. Tolnau (Ungarn) und Eisenstadt, Burgenland, nach 1869 in Berlin und Breslau, Schlesien. Im Sommer 1870 Erkrankung und Kuraufenthalt, 1870 Hauslehrer in Frankfurt, 1871-1872 Universität Breslau JTS (= Jüdisch Theologisches Seminar) und 1872-1873 wieder in Berlin. An der Fakultät Jena promovierte er zum Dr. phil.; seine Dissertation schrieb er über „Rabbi Jochanan ben Saccai, sein Leben, seine Lehren und sein Wirken".

1874 Immatrikulation am orthodoxen Rabbinerseminar des Esriel Hildesheimer in Berlin (jüdische Studenten konnten zu der Zeit simultan an der Friedrichs-Wilhelms-Universität in Berlin und am orthodoxen Rabbinerseminar des Esriel Hildesheimer studieren). Von 1876 bis 1878 amtierte er als Rabbiner in Obornik bei Posen; 1878 bis 1881 als Rabbiner in Briesen in Westpreußen (bei Thorn), 1880 bis 1887 in Weilburg an der Lahn, 1887 bis 1889 als Landrabbiner im FT Birkenfeld in Hoppstädten, Hunsrück und von 1890 bis 1919 in Offenbach am Main.

Laut Jahresbericht des Rabbiner- Seminar diente Goldschmidt interim 1879/ 1880 auch als Rabbiner in Schrimm/ Posen. Weil er in dieser Gemeinde Orgelspiel gestattete, wurde ihm durch E. Hildesheimer das Rabbiner-Diplom wieder entzogen. Daraufhin wandte er sich vom der Orthodoxie ab; eine Anstellung in Erfurt wurde ihm aufgrund dessen nicht gewährt. Er fand seine geistige Heimat sodann innerhalb des liberalen Judentums.