Geßner, Theodor

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Geßner, Theodor (* Halberstadt, Anhalt 6. Juni 1830 † 28. Jan. 1884 Quakenbrück/ Artland, Niedersachsen) Realschuldirektor


Inhaltsverzeichnis

Das hohe Lied Salomonis

erklärt und übersetzt von Theodor Geßner

Das Lied der Lieder, Übertragung [sowie Ps 45] / herausgegeben von Dr. Carl- Oskar Klüß

Frankfurt am Main: Edition Logos. 2000. Neuauflage.

(Erstauflage: Osnabrück & Quakenbrück: Rackhors'tsche Buchhandlung 1881)

Reihe: Beiträge zur Religions- und Geistesgeschichte)

Pe.png Wortstimme

"Leg' mich gleich dem Siegelringe

An dein Herz, um deinen Arm

Schling mich gleich dem Siegelreife,

Denn gar mächtig ist der Tod

Ist die Liebe, nimmer wankend

Wie das Totenreich ihr Eifer,

Ihre Gluten Feuersgluten,

Flammen, die der Herr entzündet.

Großes Wasser wird nicht Sieger

Über Liebe, sie erlöschend,

Ströme fluten sie nicht fort.

Böte jemand alle Schätze

Seines Hauses für die Liebe,

Spöttisch wiese man ihn ab."

Kap.6: 6-7
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Zum Buch:

Das Vorwort schrieb Dr. C. O. Klüß, einer der Urenkel Geßners, in Dreieich - Buchschlag (Kr. Offenbach/ M.) im Januar 2000.

Der Text des "Liedes der Lieder" nimmt in diesem außergewöhnlichen Buch nur knapp zwanzig Seiten ein, und das bei einem Gesamtumfang von 185 Seiten. Geßner narrt die Theologen seiner Zeit mit einer ganz ungwöhnlichen Auslegung. Die bis dahin bekannte Auslegungsgeschichte wird rezipiert, wobei er beispielsweise neun verschiedene Stimmen aufzählt, die vermuten, wer "die Geliebte" im Lied denn sein könnte: vom einfachen Landmädchen über eine Prinzessin, das Volk Israel, das aus der Verbannung zurückkehrende Volk Israel, die Weisheit, das Weib an sich, die christliche Kirche, die Jungfrau Maria, die den Herrn liebende Seele oder keine bestimmte Person.

Von den Theologen seiner Zeit nimmt sich Geßner den Herren Ewald, Hengstenberg und Delitzsch und deren Interpretation umfassend an. Er wagt es im Folgenden, den mannigfaltigen Deutungen, die das Hohelied erfahren haben, eine neue hinzuzufügen. Diese Deutung liest sich sehr spannend; auch einige wenige Neuübersetzungen seien hier angeführt: Durch Vokalumstellung der Masorah steht in Kap 2: 15 nicht mehr "Füchse" sondern "Innenfläche der Hände". In Kap. 4: 5 findet sich neben »schelhewetja«, Flamme des Herrn (siehe WS), ein weiteres Kompositum mit der "jah"- Endung, nämlich »zebijah«, Gotteszier. Auch in betreffs der Lied- Überschrift fordert Geßner eine differenzierte Sichtweise mit seiner Übersetzung  »Lied der Lieder. Asser dem Salomo [dargebracht]«  statt des bekannten "welches dem S."

In der Interpretation der Personen des Liedes geht Geßner ebenfalls ungewohnte Wege: Hier findet der Leser eine Allegorie auf die Errichtung des Tempels zu Jerusalem, dem Herbringen des Holzes u.a. aus dem Libanon, der Verabschiedung des Dienstes im Stiftszelt und die Einbringung der heiligen Lade in den Tempel. Das alles unter der Regie des Königs Salomo.

So fremd diese Deutung klingen mag, Geßner begründet sein Vorgehen in dieser Untersuchung schulmäßig, Zitat: "Das eine entnehme ich dem deutschen Unterrichte, das andere der Rechenstunde." Was ihm hier mit studierter deutscher Gründlichkeit gelingt, ist durchaus nachvollziehbar und allemal lesenswert.

Die Übersetzung ist metrisch als Vierheber (Trichäus), wie man es im 19. Jhdt oftmals unternahm. Der Bibeltext ist in neue Partien umgestellt, all das ist begründet; auch die Konjekturen werden kenntlich gemacht.

Als kurzes Compendium des HHL ist der Psalm 45 in Übersetzung und Erklärung in den Text einbezogen.

Das Buch ist kartoniert im DIN_A 5 Format hergestellt. Die im Originalwerk benutzte Fraktur ist durch Antiqua ersetzt.

Biogramm:

Theodor Gessner: Der Ratsapothekersohn aus Halberstadt, altsprachlich und mathematisch sehr begabt, studiert nach der Gymnasialzeit in Halle und Berlin Mathematik, Physik, Chemie und Biologie und erhält am Gymnasium im thüringischen Schleusingen 1856 eine Stelle als "ordentlicher Lehrer". Er ist auch kommunalgeschichtlich und politisch engagiert und sympatisiert mit der Nationalliberalen Partei, was ihm durchaus nicht nur Freunde einbringt. Später wird er nach Hannover beordert, wo er die dortige Lateinschule zum Realgymnasium ausbaut. Zweimal verwitwet, befaßte er sich in den Mußestuden mit dem Übersetzen biblischer Texte, vorzugsweise aus der hebräischen Ursprache.-- Dankenswerterweise hat Geßners Urenkel, Dr. Klüß, das verschollene Manuskript des "Liedes der Lieder" mit Hilfe des "ViaVoice" Programmes der Leserschaft wieder zugänglich gemacht. - Die Stadt Quakenbrück hat in memoriam eine Straße nach ihm benannt.