Begrich, Gerhard

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Begrich, Gerhard (* Deesdorf b. Halberstadt, Anhalt 29. Aug. 1946 ) Pfarrer Dr. habil., Direktor


Genesis

Das erste Buch Moses neu übersetzt und erläutert [von] Gerhard Begrich

Stuttgart, Württ.: RADIUS–Verlag ⓒ 2014


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Zum Buch:

Fest gebundener Oktavband mit Klebebindung, 188 & (4) S. Schrifttext einspaltig verweise gesetzt. Erläuterungen und weitere Hinweise im zweiten Teil ab S. 143.

Gewidmet ist diese Genesis »Martin Buber und Franz Rosenzweig zum Gedenken«.

Einige erste Eindrücke zu diesem Titel hatte ich bereits im ´ Eintrag 1. November 2014` in "Neu–und Altneuland" geschrieben. Erstmal danke ich Herrn Begrich für dieses Buch, das mir sehr viel Spannung bereitet und zeigt, dass auch heute noch außergewöhnliche Übersetzungen dem Leser und dem Lernenden vor Augen gebracht werden. Die Widmung an die beiden jüdischen Wissenschaftler zeigt, welch Geistes Kind Begrich ist; er liest nicht aus christlich neutestamentlicher Sicht, sondern will eine möglichst konfessionsneutrale Sichtweise der Genesis vermitteln. Ich konzentriere mich natürlich zuerst auf die Verdeutschung, die einige Besonderheiten aufweist:

  • Kap. 2:3, Gott segnete den siebenten Tag und sonderte ihn aus, denn an ihm hatte er abgelassen von seinem ganzen Werk, das Gott geschaffen, um erneut zu handeln.

Fett gedruckt ist Begrichs ÜS des hebräischen la´asoth לעשות, wobei das "erneut" in Klammern gesetzt zu denken sei. Als Exkurs meine Gedanken dazu: Diese so übersetzten Worte ermöglichen eine Perspektive, die heilsgeschichtlich ins Neue Testament hinüberreicht: Von der Vollendung des Schöpfungswerks über die Vollendung des Erlösungswerks, Joh. 17:4

Das Werk habe ich vollendet, das du mir zu tun gegeben hast.,

um am Kreuz in Jeschuas Worten Joh. 19:30

Es ist vollbracht!

beschlossen zu werden als Höhepunkt der Erfüllung der Torah und, wie in Eph. 2:10 aufgetragen,

Denn wir sind Gottes Werk, geschaffen in Christus Jesus, um Gutes zu bewirken ...

als Ausbreitung des geistlichen Schöpfungswerkes durch die Gemeinde.

Als Beispiele für mehr oder weniger zutreffende Übersetzungen dieses Versteils 1. Mose 2:3 sind hier genannt:
  • S. R. Hirsch (1867): ... denn mit ihm hatte er von allem seinem Werke aufgehört, welches Er, Gott, ins Dasein gesetzt hatte, es fort zu gestalten.
  • M. Mendelssohn (neu 2001): ... Denn an demselben ruhte Gott von allem Werk, das er erschaffen und gemacht hatte oder, das er erschaffen hatte, um fort zu wirken.
  • A. M. Goldberg: ... denn an ihm feierte er von all seinem Werk, welches er, Gott, geschaffen hatte, um es zu tun.
  • Konkordantes AT: Genesis (1980): ...denn an ihm feiert Er von all Seinem Werk, das Alueim erschafft, um es zu machen.
  • M. Buber & F. Rosenzweig (1987) ... denn an ihm feierte er von all seiner Arbeit, die machend Gott schuf.
  • Einheitsübersetzung (1980): ... denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.
  • M. Luther (1984): ... weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.
  • H. Menge (1949): ... ... denn an ihm hat Gott von seinem ganzen Schöpfungswerk und seiner Arbeit geruht.
  • Neue–Welt–Übersetzung der H. S. (1989): ... denn an ihm hat er fortan geruht von all seinem Werk, das Gott, um [es] zu machen, geschaffen hat.
  • Revid. Elberfelder, Ed. Brockhaus (1992): ... denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte. (sehr ähnlich die "Elberfelder, Ed. Hückeswagen", 2003!)
  • Schlachter 2000 (2002): ... denn an ihm ruhte er von seinem ganzem Werk, das Gott schuf, als er es machte.
  • Zürcher Bibel (2007): ... denn an ihm ruhte Gott von all seinem Werk, das er gemacht hatte.

Man kann aus diesen Beispielen ersehen, dass die Mehrzahl der Übersetzungen das ´la´asoth` hier recht indifferent überträgt.

Obige Ausführung soweit von mir. Eine neutestamentliche Sichtweise gibt Begrich hier (wie auch im Rest des Buches) allerdings nicht; er betont im Kommentar zu 2:3 mit Blick auf die Sabbat– Liturgie den Aspekt der täglichen Erneuerung des Schöpfungswerks durch den Schöpfer.

Ein weiteres Beispiel für eine ungewöhnliche Verdeutschung ist zu lesen in 4:7, wo ER, Gott, zu Kajin spricht:

Ist es nicht so, ob du nun Gutes bringst oder Schlechtes – vor dem Eingang lauert die Folge der Schuld und verlangt nach dir, aber du sollst herrschen über den Eingang..

Eine gängige Variante, die jedoch den hebräischen Maskulin am Satzende verweiblicht, ist die Lutherbibel (1984),

Ist's nicht also? Wenn du fromm bist, kannst du den Blick frei erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie..

Formgetreu zu übersetzen wäre:

Ist's nicht so? Wenn du gut [handelst], trage hoch [deinen Blick], und wenn du nicht gut [handelst]: Am Eingang ist lagernd die Verfehlung (und) nach dir [ist] sein(!) Verlangen, aber du sollst ihn(!) beherrschen..

Klug hier die Bearbeiter der Einheitsübersetzung, meiner Meinung nach korrekt das Maskulin interpretierend:

Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du aber nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon. Auf dich hat er es abgesehen, doch du werde Herr über ihn!.

Begrich unterschlägt das Hochtragen des Hauptes und bezieht das Maskulin am Satzende auf das Beherrschen des ´Eingangs`, hebräisch, maskulin, petach פתח. Gemäß jüdischer Anschauung muss der Schlangerich, die Sünde, nicht be–herrscht (!) werden, da der Mensch sich zu jeder Zeit frei für den in ihm wohnenden guten oder den bösen Trieb entscheiden kann.

Last not least noch einen Blick zu Jakobs Wiederbegegnung mit seinem Zwilling Esau in 33:11. In beider Leben spielt ja der Segen des Erstgeborenen, der dem Esau von Jakob "gestohlen" wurde, weil Esau ihn, hungrig wie er war, für einen Teller Linsen verkaufte (25:34), eine überragende Rolle. Die Versöhnung beider Brüder bei Jakobs Heimkehr wird in den gängigen Übersetzungen unterschiedlich beschrieben; das Wort, worauf es tatsächlich ankommt ist der ברכת, Segen, den Jakob seinem Bruder überbringt. Nicht gut hier die Einheitsübersetzung:

Nimm doch mein Begrüßungsgeschenk an, das man dir überbracht hat, denn Gott hat mir Wohlwollen erwiesen.

Luther (1984) ist hier genauer:

Nimm doch diese Segensgabe von mir an, die ich dir zugebracht habe, denn Gott hat sie mir beschert.

Begrich schreibt sehr formtreu:

Nimm doch meinen Segen, der dir überbracht wurde, denn Gott hat mich gnädig bedacht.

Mit Befremden lese ich Begrichs Verdeutschung des Begriffs "Gott" in Verbindung mit dem Tetragramm "IHWH", zu lesen in der Kajin und Häväl – Geschichte ab Kap. 4:1 und ff, wo Chawwa spricht:

»Gewonnen habe ich einen Mann durch IHN, hochgelobt sei Sie.«

Begrich begründet die Verdeutschung des Tetragramms mit dem Personalpronomen ER, Du oder ICH (wie Buber & Rosenzweig das tun):

„Wenn der Name mit der Gottungsbezeichnung [Gattungsbez. ?] Gott, (hebr.) »Elohim«, das ist kein (!) Name, verbunden ist, wie in Gen. 2,4 – 3,4, schreibe ich das Personalpronomen ER, ansonsten immer ER, hochgelobt sei Sie, um auch deutlich zu machen: Gott ist kein Mann, auch keine Frau, auch wenn die Grammatik maskuline Formen gebraucht.“

Ob der Autor bei der Wahl der "Sie" eine Anleihe bei der 'Bibel in gerechter Sprache' genommen hat, entzieht sich meiner Kenntnis; dass das Tetragramm IHWH eine Endung hat, die man[n] als feminin bezeichnen kann, hätte dem Leser auch in anderer Weise nahegebracht werden können. Elohim (plural) existierte als Einheit ja bereits vor der Geschlechterspezifizierung; ob es nun unabdingbar ist, ihn rückwirkend wiederum in eine maskuline & feminine Geschlechterform zu pressen, halte ich für fragwürdig. Schließlich beten gottsfürchtige Juden, auf die sich Begrich öfter bezieht, ja zu "Avinu malkenu", "unser Vater, unser König"! Es ist nicht, nein, gar nicht redlich, den Vater hier und überhaupt zu verweiblichen...

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Ich hoffe nichtsdestoweniger, dass Herr Begrich noch vier Fortsetzungen der angefangenen Torah liefert. Sei seine Arbeit von IHM, dem Ewigen, gesegnet!


Exodus

Das 2. Buch Mose oder Der Aufbruch in die Freiheit

Neu übersetzt und erläutert [von] Gerhard Begrich

Stuttgart, Württ.: RADIUS–Verlag ⓒ 2016

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Zum Buch:

Fest gebundener Oktavband mit Klebebindung, 145 & (7) S. Schrifttext einspaltig verweise gesetzt. Erläuterungen und weitere Hinweise im zweiten Teil ab S. 121.

Dieses Buch ist der Erinnerung an Joachim Begrich und Benno Jacob (1862 – 1945) gewidmet.

Das Hohelied Salomos

Eine Dichtung von Sulamith. Neu übersetzt und erläutert [von] Gerhard Begrich

Stuttgart, Württ.: RADIUS–Verlag ⓒ 2015

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Zum Buch:

Fest gebundener Oktavband mit Klebebindung, 53 & (3) S. Schrifttext einspaltig verweise gesetzt. Erläuterungen und weitere Hinweise im zweiten Teil ab S. 41.

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Dieses Buch ist der Erinnerung an Jehuda Halevi (1075 – 1141) gewidmet. In den Erläuterungen sind zu bestimmten Versen Alternativübersetzungen gespiegelt und nicht selten mit berechtigter Schärfe kommentiert: Aus der LXX, der Vulgata Clementina, der Nova Vulgata (1986), Martin Luther (div.), Neue Zürcher, Klaus Reichert, Martin Buber, aus dem Sohar und der Einheitsübersetzung.


Biogramm:

http://www.ekmd.de/pdf/demo/html2ps.php?URL=http://www.ekmd.de/portal/aktuellpresse/1-pressemitteilungen/pmEKKPS/16-paEKKPS200501/1109.html?print=1