Baeck, Leo

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Baeck, Leo ליאו באק (* Lissa, Posen 26. Ijar 5633 / 23. Mai 1873 Mem.png 28 Marcheschwan 5617 / 2. Nov. 1956 London, England (U.K.)) Rabbiner Dr.



Das Evangelium als Urkunde der jüdischen Glaubensgeschichte

Überlieferungen – Die Begebenheiten – Die Sprüche und ihre Gleichnisse. [Von] Leo Baeck

Berlin: Schocken Verlag / Jüdischer Buchverlag 1938 • Bücherei des Schocken Verlags / 87

Koph.png Wortstimme

Was für eines ist das erste Gebot von allen in der Tora?

Das erste ist: „Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einer.

Und du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen

und mit deiner ganzen Seele und mit allem, was in dir ist.“

Ein zweites ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Ein größeres anderes als diese gibt es nicht.

Mk. 12: 28f
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Zum Buch:

Zur Geschichte und Machart der Schocken Bücherei siehe den Eintrag bei >Buber / Rosenzweig --

Gebundener Oktavband, fadengeheftet; 106 & (2) S. Antiquadruck; Evangelientexte als eine Art Harmonie (ab S. 72 bis 105), einspaltig gesetzt. In den Fußnoten die Quellenangaben sowie Erläuterungen samt Verweisstellen. Das Evangelium ist eingeleitet durch ein umfassendes Essay mit dem Titel "Überliefernugen"; weitere Testbeispiele aus dem Tenach und Mischnatraktate sind angefügt. Baeck schrieb ein einseitiges, undatiertes Vorwort; darin heißt es u. a.:

»Im Folgenden ist es unternommen, die Furchen dieser Überlieferung aufzuzeigen. Wenn man ihnen folgt, ist es möglich, zu dem Ursprünglichen, zu der alten Botschaft hinzugelangen. In ihnen allein ist auch der Weg, der zu den Anfängen des Christentums hinführt. Ein Leben Jesu kann heschrieben werden, insoweit das vermocht wird, nur wenn das erschlossen ist, was einst das Geschlecht nach Jeus erzählt und weitergetragen hat. Diese erste Überlieferung wieder herzustellen, ist dem anderen Teil dieser Schrift versucht worden.«

Baeck hat, obwohl liberaler Theologe, nicht etwa den Prozess, den Tod und die Auferstehung Jesus´ von Nazareth aus seinem Evangelium ausgeklammert, wie das heutzutage die Erfinder der Redenquelle "Q" vermittel wollen; seine Geschichte endet mit dem Text aus Luk. 24:34 »Er ward am dritten Tage auferweckt, und er erschien dem Simon.« 

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23 Jahre später wurde dieses bis dahin einmalige Werk neu herausgegeben und in einem Sammelband mit folgendem Titel veröffentlicht:

Paulus, die Pharisäer und das Neue Testament

[Von] Leo Baeck

Frankfurt am Main: Ner- Tamid Verlag 1961

Koph.png Wortstimme
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Zum Buch:

Gebundener Oktavband, Fadenheftung, SU; 196 S.

Dieses Buch enthält drei Aufsätze: „Der Glaube des Paulus“, „Die Pharisäer“, und o.g. Studie über das Evangelium. Das Vorwort ( 1 S.) zum Inhalt des Buches samt Quellenangaben schrieb Hans Lamm. Die Evangelientexte (synoptisch in Auswahl) sind orthographisch leicht korrigiert worden.

Baeck schreibt über Jesus den Juden im Kontext des zeitgenössischen Judentums. In seiner Beurteilung bleibt Baeck seiner jüdischen Glaubensüberzeugung treu. Er schreibt sein Buch für Juden und will Evangelium und Neues Testament als jüdisches Buch innerhalb der jüdischen Tradition verstanden wissen. Jesus’ Judesein, seine Auslegung der Torah und das von Schaul aus Tarsus propagierte Christentum haben Baecks Ansicht nach wenig Berührungspunkte. Jesus ist jüdischer Lehrer; jedwede Überhöhungen oder Messiasproklamationen im Neuen Testament seien späte Einschübe der ersten Christengemeinde, prophetische Worte sind Jesus nachträglich in den Mund gelegt. Man muss jedoch auch sehen, mit welchem „Christentum“ arisch-deutscher Art es Baeck während der Abfassung des Buches 1938 zu tun hatte. Jesus sollte seinen Platz innerhalb des Judentums behalten und nicht exiliert werden. Hier hat Baeck für das Judentum seiner Zeit sicherlich Pionierarbeit geleistet.

Zur Person:

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Später zwar als Rabbiner der liberalen Richtung bezeichnet, hat Leo Baeck im Vaterhaus die jüdische Tradition in ihrem Tiefsten ernst zunehmen gelernt. Im 1. Weltkrieg war er Feldrabbiner. Bereits Anfang des 20. Jhd. trat er ins christlich-jüdische Gespräch ein, blieb aber zeitlebens kritisch interessiert dem christlichen Gedankengebäude gegenüber eingestellt. Sein frühes Werk „Das Wesen des Judentums“ (1906) war eine Antwort auf Adolf von Harnacks „Das Wesen des Christentums“. Baeck war Wissenschaftler und lehrte an der >Lehranstalt der Wissenschaft des Judentums<. Seine Hauptwerke sind: Wege im Judentum (Berlin 1933); Dieses Volk, Jüdische Existenz (2 Bände, Frankfurt / M.: EVA 1955 / 57), Aus drei Jahrtausenden (Tübingen 1958). In Jerusalem wurde 1955 das Leo Baeck Institut gegründet. Anlässlich des Todes des >Grand Seigneurs< der untergegangenen deutschen Judenheit gab die Deutsche Bundespost 1956 eine 20 Pf. – Gedenkbriefmarke heraus.

https://www.dhm.de/lemo/biografie/leo-baeck