Botschaft Gottes

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Deutsche Christen "SA Jesu Christi" (1932 - 1945)

Müller, Ludwig (* Gütersloh, Westfalen 23. Juni 1883 † 31. Juli 1945 Berlin) Reichsbischof


Nachdem die Vernichtung der europäischen Judenheit bereits in vollem Gange und der Großteil ihrer Versammlungsstätten (Synagogen) in Deutschland in Schutt und Asche gelegt war, hatte sich ein Institut im thüringischen Eisenach zum Ziel gesetzt, der deutschen protestantischen Christenheit eine von allen hebräischen Bezügen gereinigte rein arische »Botschaft Gottes« schmackhaft zu machen. Vom Alten Testament war bereits keine Rede mehr, es war für obsolet und irrelevant erklärt; nun ging es darum, die Botschaft eines arisierten Jesus in einen zum Judentum oppositionellen Kontext zu stellen und dem evangelischen Christen einen arischen Heiland zu präsentieren.

Im Mai 1939 wurde dieses Institut ausgerechnet dort gegründet, wo Martin Luther 400 Jahre zuvor der Christenheit seine Bibel zum Vermächtnis gemacht hatte und die Reformation ihre Anfänge nahm: Auf der Wartburg. Die Begründer des Instituts waren durchweg protestantische Pfarrer, ehrenwerte Theologen und Bibelwissenschaftler. Sie hatten sich allesamt der nationalsozialistischen bzw. deutsch- völkischen Ideologie verschrieben, die das jüdische „Übel" mit der Wurzel aus der Kirche ausreissen wollten. 13 evangelische Landeskirchen machten auch mit, als das hebräische »Amen« in Schrift und Gesangbuch durch „das walte Gott" ersetzt und die alten biblischen Begriffe »Hosianna« und »Halleluja« gänzlich entfernt wurden.

Einen nennenswerten Erfolg hatte diese „Botschaft Gottes" - dem Ewigen sei's gedankt - nicht; von 1940 bis 1945 wurden etwa 200 Tsd. Exemplare gedruckt. Heute ist dieses entstellte Evangelium kaum mehr bekannt, es ist nur schwer (und leider sehr teuer) zu bekommen. Jenes unselige tausendjährige deutsche Reich ,Dritter Klasse' ist untergegangen. Manche der "Geistlichen" dieses unchristlichen Instituts sind jedoch noch über viele Jahre "in Amt und Würden" auf deutschen Kanzeln aufgetreten.

Eine typische Aussage jener Zeit sei noch in Form eines Zitates von W. Grundmann aufgeführt:

»Aus der unserer Zeit geschenkten Erkenntnis der Einheit seelischer Haltung und blutsmäßigen Erbes ergibt sich die Notwendigkeit, daß aller Wahrscheinlichkeit nach Jesus, da er aufgrund seiner seelischen Artung kein Jude gewesen sein kann, es auch blutsmäßig nicht war, wofür wir bei der Frage nach seiner völkischen Zugehörigkeit einige wichtige Gesichtspunkte gewannen, die diese Beobachtung unterstützten.«

(aus: Jesus der Galiläer und das Judentum. Leipzig 1940)


Die Botschaft Gottes

Herausgegeben vom " Institut zur Erforschung (und Beseitigung) jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben"

Grundmann, Walter (* Chemnitz, Sachsen 21. Okt. 1906 † 30. Aug. 1976 Eisenach/ Thür.) Pfarrer, Kirchenrat, Prof. Dr.

Hunger, Heinz (* Radeberg, Sachsen 28. Aug. 1907 † 22. Feb. 1995 Münster i. W.) Pastor, D theol.

Fromm, Erich (* Posen a. d. Warthe 1892 † seit 1944 vermißt) Oberpfarrer

Büchner, Wilhelm (* Meiningen, Thüringen 4. Juni 1894 † 1987 Eisenach; Thür. ) Pfarrer in Eisenach u. Jena

Weinmann, Heinrich Valentin Gerhard (* Heddesheim a. d. Nahe* 1 Nov. 1898 † ...............) Pfarrer in Seelscheid u. Koblenz- Pfaffendorf

Ungenannt blieb die deutsche Balladendichterin und Inhaberin des Eugen Diederichs-Verlages

von Strauß und Torney, Luise „Lulu“ Elisabeth (* Bückeburg, FT Schaumburg- Lippe 20. Sept. 1873 † 19. Juni 1956 Jena, Thüringen),

die für die sprachliche Fassung verantwortlich zeichnete.


Die Botschaft Gottes

Herausgegeben vom "Institut zur Erforschung (und Beseitigung) des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben"

Weimar, Thüringen: Der neue Dom • Verlag für deutsch- christliches Schrifttum • Schneider & Co. 1940

(anders: Leipzig, Sachsen: Wigand Kommissionsverlag. 1940; sowie Weimar, Thür.: Verlag Deutsche Christen 1940)

Inhalt:

  • I. Jesus der Heiland: Jesusüberlieferungen der ersten drei Evangelien (Auswahl)
  • II. Jesus der Gottessohn: [Das Evangelium Johannes]
  • III. Jesus der Herr: [Auswahl: Apostelbriefe, Offenbarung]
  • IV. Das Werden der Christusgemeinde: [Auswahl: Oster– und Apostelgeschichte(n), Apostelbriefe]


Paraphrase

Von Urbeginn an war der ewige Geist,

und dieser ewige Geist war in Gott,

und göttlich war der ewige Geist.

Der war von Urbeginn an in Gott.

Alles tritt durch sein Wirken ins Dasein,

Nichts hat ohne ihn ewigen Sinn.

Was geworden ist, hat in ihm das Leben,

und das Leben ist für die Menschen das Licht.

Das Licht scheint in der Finsternis,

und die Finsternis hat es nicht auzulöschen vermocht.

Er war das wirkliche Licht, das jeden erleuchtet,

der in die Welt kommt.

Die Welt trat durch sein Wirken ins Dasein,

aber sie erkannte ihn nicht.

Er kam in seine eigene Schöpfung,

und die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Wie viele ihn aber annahmen,

denen gab er Vollmacht, Kinder Gottes zu werden.

Die Offenbarung des Weltgeheimnisses (Joh. 1)
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Zum Buch:

Der Herausgeberkreis des Institus schrieb namens der vier genannten DC- Herren zu diesem Werk ein Geleitwort, wobei die Dichterin Lulu von Strauß und Torney, welche die sprachliche Fassung übernommen hatte, nicht genannt wird. Es ist datiert "Im Jahr des deutschen Entscheidungskampfes 1940" und führt in die neue Übertragung ausgewählter wesentlicher Stücke des Neuen Testaments ein. Bezug genommen wird auf Luthers NT von 1522, welches als entscheidender Schritt zur Reformation bezeichnet wird.

Dieses dediziert anti- (=anstelle von) jüdische Machwerk "will die Gotteswahrheit des Neuen Testamentes, die Botschaft Gottes, in einer neuen Sprache und in einer neuen Gestalt dem fragenden deutschen Menschen darbieten. In ihr geht es also um die   G o t t e s w a h r h e i t   des Neuen Testaments". Bei der Auswahl ist aus der Sicht des kritischen Lesers entscheidend, was weggelassen wurde: Das sind sämtliche Bezüge zum jüdischen AT und zum Judentum, denn Jesus wird als arischer Galiläer, nicht als Jude gezeichnet. (....wird fortgesetzt)

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links: Anzeige für das Volkstestament im 
unten genannten Buch »Geleitwort«;
rechts Schriftzug auf Umschlag »Die Botschaft Gottes«

Buchdaten:

Kleinoktav mit 296 Seiten in einspaltigem Frakturdruck. Herkömmliche Kapitel- und Versangaben sind nicht vorhanden; stattdessen wurden eigens erdachte Kapitel- und Zeilennummerierungen (je 5 Zeilenabstände) vorgenommen. An den Schluß des Buches wurde jedoch ein Inhalts- und Stellenverzeichnis mitgegeben, sodaß man übersetzte Texte konventionell lokalisieren kann. ......

Der Evangelienteil (I.) konnte für 30 Pfennig separat erworben werden. Die Gesamtausgabe kostete RM 1,40; die niedrigen Preise kamen durch erhebliche Subventionen aus dem Kirchenetat zustande. ____________________________________________________________________________________


Ein erschütterndes Beispiel für die ideologische Entstellung von Bibeltexten: „Die Botschaft Gottes. Eine Übersetzung und Verdeutschung der in den drei ersten Evangelien verwendeten Jesus-Überlieferungen“, erschienen im Verlag Deutsche Christen, Weimar 1940. Dazu das Programm von dem Altenburger Oberpfarrer Erich Fromm, Das Volkstestament der Deutschen. Ein Geleitwort zu der vom ‚Institut zur Erforschung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben’ herausgegebenen Botschaft Gottes. Weimar 1940, in dem es heißt: „Die biblische Formung des Christenglaubens ist nicht mehr ohne weiteres auch der wahrhaftige Ausdruck unseres Christenglaubens. Wir können sie nicht mehr einfach als maßgebend übernehmen, nachdem uns die religionsgeschichtliche Forschung den Blick für die zeitgeschichtlichen und religionsgeschichtlichen Zusammenhänge in der biblischen Überlieferung geöffnet und die nationalsozialistische Weltanschauung uns zu bewusstem Deutschsein in jeder Hinsicht und zu entschiedener Absage an allen jüdischen Geist erzogen hat. Wir verstehen es, dass die Bibel gerade ernsten deutschen Menschen den Weg zu einer echten Christusbegegnung versperrt, wenn man sie zur einzigen und unantastbaren Norm für den Christenglauben aller Zeit erklärt...“ (12 f). Zur damaligen kritischen Auseinandersetzung äußerte sich der sächsische Pfarrer: Karl Fischer, Das Volkstestament der Deutschen Christen. (= Um Evangelium und Kirche 18) Dresden 1940. Die Frage ist daher, ob das „sola scriptura“ in evangelischer Theologie und Kirche überhaupt noch gilt und in seiner Bedeutung bekannt ist. Vgl. dazu: R. Slenczka, Die Auflösung der Schriftgrundlage und was daraus folgt. In: Ders.: Neues und Altes. Bd. 3. Neuendettelsau 2000. 253-261.

(Quelle: Prof. Dr. Reinhard Slenczka: Die Anbetung der Weiblichkeit Gottes und das Bilderverbot. 2006)


Zu den Herausgebern:

Heinrich Weinmann:

  • Nach anderen Angaben geboren in Koblenz- Pfaffendorf.
».....Zugleich erfahren wir in diesem Brief, dass Pfarrer Weinmann im ersten Weltkrieg als Soldat im Westen gewesen war und 1919 freiwillig gegen die Spartakisten in Stuttgart, Augsburg und München gekämpft hatte. Über seine Einstellung zum Nationalsozialismus lesen wir: "Ebenso habe ich mich... als Parteigenosse stets bemüht, den Aufgaben des Nationalsozialismus in meinem Pfarramt gerecht zu werden und mir dabei die Gegnerschaft aller politischen Gegner unserer Partei zugezogen." Und weiter: "Wir, die wir unsere ganze Lebensaufgabe darin sehen, das, was Christus wirklich gewollt hat, mit der nationalsozialistischen Weltanschauung organisch zu wirklichem Dienst an der Seele des Volkes zu verbinden..."

Es sind für ihn - so scheint es wenigstens - nicht nur Lippenbekenntnisse. Er steht hinter dem, was er sagt. Als sich für ihn im Zusammenhang der Sudetenkrise die Möglichkeit eröffnete, vom Wehrdienst befreit zu werden, bat er darum, dies nicht zu tun. Auch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges verzichtete er auf die Freistellung und ging als Soldat zur Wehrmacht. Dort jedoch erkrankte er und wurde nach einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen vom Wehrdienst freigestellt. Dabei ist es dann auch geblieben. Auch Pfarrer Weinmann wurde, wie schon berichtet, Soldat und als Kriegspfarrer eingesetzt, nach einem Jahr aber aus Gesundheitsgründen entlassen und auch bis zum Ende des Krieges nicht erneut einberufen. Er versuchte, mit Soldaten, die an der Front waren, Kontakt aufrecht zu erhalten.

Pfarrer Weinmann kam - wen wundert es - nach dem Krieg und nach dem Ende der Nazizeit nicht mehr in unsere Gemeinde zurück. Er blieb zunächst in Apfelstädt in Thüringen, wechselte aber später in die Bundesrepublik und wurde schließlich Krankenhauspfarrer in Stuttgart.«

(Quelle: www.evangelisch-in-koblenz.de/pfaffendorf/festschrift/zwischendenKriegen.htm)

Erich Fromm:

Oberpfarrer in Altenburg, und Kaltennordheim (1933- 37). Mehr noch nicht bekannt

Lulu von Strauss und Torney:

...., deutsche Dichterin und Schriftstellerin.1898 veröffentlichte sie erste Gedichte. Ihre Themen fand sie im Schaumburger Land, aber auch im Marschland und an der Nordsee. 1901 erschien ihre erste Novelle, der Bauernstolz. Sie fand Kontakt zum Göttinger Kreis um den Dichter Börries von Münchhausen und lernte Agnes Miegel und Theodor Heuss kennen, mit denen sie eine lebenslange Freundschaft verband. Ihre wichtigsten Werke verfasste sie alle vor dem Ersten Weltkrieg. Am 18. April 1916 heiratete sie in Bückeburg den Verleger Eugen Diederichs (1867-1930) und zog nach Jena. Unter seinem Einfluss wandte sie sich dem Religiösen, Sagen und Märchen zu. Aufgrund ihrer Nähe zur Blut- und Boden-Ideologie in ihren frühen Bauernromanen zählten die Nationalsozialisten sie zu ihren Autoren. Erst 1994 wurde durch kirchengeschichtliche Forschungen bekannt, daß die dichterische Wortfassung des 1941 vom Eisenacher "Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben" neu aus den Evangelien des Neuen Testamentes zusammengestellte antisemitische "Volkstestament" von Lulu von Strauß und Torney stammte. Diese Bibel im Sinne des "Mythus des 20. Jahrhunderts" von Alfred Rosenberg, die dem "arischen Jesus", den Deutsche Christen verkündeten, zum Durchbruch verhelfen sollte, hatte nicht den von Dreivierteln der damaligen evangelischen Landeskirchen erhofften Erfolg, wirft aber ein völlig neues Licht auf das literarische Schaffen der Dichterin. In der Bearbeitung dieses "Volkstestamentes" wurde auch auf die Bibelkritik der damaligen Zeit Rücksicht genommen. Die "Lohn-Straf-Moral" und anderes mehr wurden vollständig beseitigt.

"Geleitwort"

Zu dem o. g. Titel erschien außerdem von Walter Grundmann und Erich Fromm herausgegeben:

Das Volkstestament der Deutschen

Ein Geleitwort zu der vom „Institut zur Erforschung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben" herausgegebenen Botschaft Gottes

von Erich Fromm

Weimar, Thür.: Verlag Deutsche Christen 1940

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Zum Buch:

Kartonierter Kleinoktavband, 62 & (2) S. Frakturdruck. Inhalt: 1. Was wir wollen. 2. Die Notwendigkeit unserer Arbeit. 3. Was ist „Botschaft Gottes“? 4. Die „Botchaft Gottes“ deutsch. 5. Einzelfragen. 6. Schlußbetrachtungen. (7) Anhang.